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Alter, neuer Kalter Krieg?

Eine philosophiegeschichtliche Analyse des Zusammenhangs von «Sozialismus» und Frieden

Ulrich Knappe

Ist es nicht verwunderlich, mit welcher Präzision der Kalte Krieg an der Ukrainekrise wieder aufbricht? Die alten, eingeübten, systemischen, konfrontativen Denk- und Handlungsmuster sind nicht überwunden, sondern scheinbar nur zurückgedrängt worden. Wenn Verstehen und Verständigung, als Überlebensprinzip im Nuklearzeitalter, jedoch dauerhafter werden sollen, dann lohnt es sich, tiefer zu gehen und nach den überkommenen Ursachen für den neuen Ausbruch der Konfrontation zu suchen. Diese Schrift analysiert das Entstehen, die Existenz und den Untergang des «Sozialismus» und entwirft von daher die Konturen unterschiedlicher Friedenszustände, die diese Gesellschaftsordnung mitgeprägt hat. Ohne diesen weit gefassten philosophisch-historischen Bogen blieben sowohl Umfang und Tiefe der Auseinandersetzung im Kalten Krieg als auch die Wege für einen Annäherungsprozess im Dunkeln.
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Einleitung

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Seit fast siebzig Jahren befinden sich weite Teile Europas im Frieden. Das ist deshalb so bemerkenswert, weil die zwei verheerenden Weltkriege des vergangenen Jahrhunderts hier ihre Wurzeln hatten. Solange in Europa Frieden herrscht, solange kann auch der Weltfrieden standhalten. Das scheint eine wichtige Schlußfolgerung zu sein. Doch der Weltfrieden ist brüchig und unstet. Vom europäischen Kontinent ausgehend, hat sich offensichtlich ein grundlegender Wandel hin zu einer friedlicheren Welt vollzogen, was nicht besagt, daß es keine Kriege gab und gibt. Aber der große Krieg, der alle und alles vernichtende Krieg blieb bisher aus. Wenn aber der Wert des Friedens im Bewußtsein allmählich verblaßt, wenn die vorhandenen Bruchlinien nicht mehr reflektiert und ihrer weiteren Ausdehnung nicht aktiv widerstanden wird, dann gerät der Weltfrieden in Gefahr. Das erleben wir gerade mit großem Entsetzen, mit Blick auf die Krim und die Ukraine.

Ist es vor diesem Hintergrund nicht überfällig, sich der jüngeren Geschichte der Friedensentwicklung durch Einschluß aller Protagonisten zuzuwenden? Schaut man zurück auf den alten Kontinent, der in seiner Ausdehnung vom Atlantik bis zum Ural reicht und der darüber hinaus eine Brücke zu Asien ist, so tritt einem eine untergegangene Gesellschaft, die sich als Friedenskraft und Friedensmacht verstand, entgegen. Der Sozialismus prägte mit seinem Aufstieg und seinem Fall das vergangene Jahrhundert, wie kaum eine andere gesellschaftliche Erscheinung.

Doch alles, was wir heute über den Zusammenhang von Sozialismus und Frieden wissen, stammt aus...

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