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Alter, neuer Kalter Krieg?

Eine philosophiegeschichtliche Analyse des Zusammenhangs von «Sozialismus» und Frieden

Ulrich Knappe

Ist es nicht verwunderlich, mit welcher Präzision der Kalte Krieg an der Ukrainekrise wieder aufbricht? Die alten, eingeübten, systemischen, konfrontativen Denk- und Handlungsmuster sind nicht überwunden, sondern scheinbar nur zurückgedrängt worden. Wenn Verstehen und Verständigung, als Überlebensprinzip im Nuklearzeitalter, jedoch dauerhafter werden sollen, dann lohnt es sich, tiefer zu gehen und nach den überkommenen Ursachen für den neuen Ausbruch der Konfrontation zu suchen. Diese Schrift analysiert das Entstehen, die Existenz und den Untergang des «Sozialismus» und entwirft von daher die Konturen unterschiedlicher Friedenszustände, die diese Gesellschaftsordnung mitgeprägt hat. Ohne diesen weit gefassten philosophisch-historischen Bogen blieben sowohl Umfang und Tiefe der Auseinandersetzung im Kalten Krieg als auch die Wege für einen Annäherungsprozess im Dunkeln.
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Schlußbemerkung

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Eigentlich ist es ein Wunder, daß der hochgerüstete „sozialistische“ Block friedlich von der Weltbühne abtrat. Wenn man nach einem sichtbaren Zusammenhang von „Sozialismus“ und Frieden sucht, dann offenbarte er sich in dieser weltgeschichtlich bedeutsamen Sekunde. Die Friedenskräfte im „Sozialismus“ hatten in diesem Moment ihre Bewährungsprobe zu bestehen. Das war Stärke in der Schwäche, Gewinn im Verlust. Die Erhaltung des Friedens, auch in dieser Periode, war den entstandenen Gemeinsamkeiten von Friedenskräften in Ost und West geschuldet. In beiden Blöcken war es den konfrontativen Kräften nicht mehr möglich, ihre Politik unbehelligt fortzusetzen. Ein neuer geschichtlicher Zusammenhang war entstanden, und er war systemübergreifend antizipiert und politisch umgesetzt worden. Als immer mehr Menschen im Osten begriffen, daß die Millionen Friedensbewegten in der westlichen Hemisphäre vor dem Gleichen Angst hatten wie sie, als immer mehr Menschen im Westen begriffen, daß die Millionen Friedenshoffenden im Osten vor dem Gleichen Angst hatten wie sie, begann ein systemübergreifendes Paradigma zu wanken.407, 408

Frieden und Sicherheit konnten nicht, wie wechselseitig seit Jahrzehnten behauptet, gegeneinander, sondern nur noch miteinander erhalten werden. Es ← 201 | 202 → ging nicht um den Sieg der einen über die andere Seite, sondern ums Überleben. Frieden und Sicherheit waren nicht mehr militärisch und schon gar nicht mehr konfrontativ zu sichern. Das hatten Millionen Menschen begriffen und setzten ihre Erkenntnis in Politik um. Das Feindbild der jeweils anderen Seite zerstob vor der aufatmenden Verständigung. Was Wunder, wenn sich das...

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