Show Less
Restricted access

Strafverteidigung in Wirtschaftsstrafverfahren zwischen Rechtsmissbrauch, Konflikt und Konsens

Series:

Kerstin Petermann

Die Arbeit ging aus dem Forschungsprojekt des Instituts für Rechtstatsachenforschung der Universität Konstanz und dem Justizministerium Baden-Württemberg über die Arbeitsweise der Wirtschaftsstrafkammern hervor. Die Autorin beschränkt sich auf den Teilbereich der Strafverteidigung und legt dabei den Fokus auf die Frage nach den Grenzen zulässigen Verteidigerhandelns. Unter Rekurs auf dogmatische Grundlagen werden anhand der gewonnenen empirischen Erkenntnisse die in der kriminalpolitischen Diskussion verwendeten Begriffe von Rechtsmissbrauch, Konflikt und Konsens untersucht. Auf dieser Grundlage werden mögliche Reaktionen auf rechtsmissbräuchliches Verteidigerhandeln sowohl anhand der geltenden Gesetzeslage als auch durch die Einführung neuer gesetzlicher Regelungen diskutiert.
Show Summary Details
Restricted access

Erstes Kapitel: Darstellung und Analyse der empirischen Befunde

Extract

An dieser Stelle sei vorweggenommen, dass die Interviewpartner angehalten waren, ihre eigenen beruflichen Erfahrungen wiederzugeben und damit letztlich Verhaltensweisen und Beweggründe zu beschreiben, die sie sowohl bei sich selbst als auch bei anderen Verfahrensbeteiligten beobachtet bzw. diesen zugeschrieben haben. Dabei konnte von den Interviewpartnern eine begriffliche Differenzierung zwischen den verschiedenen Idealtypen selbstverständlich nicht erwartet werden. Anhand der Interviewaussagen soll untersucht werden, ob die eingangs konstruierten Idealtypen auch in der empirischen Realität beobachtet werden können. Letztlich kann so durch einen Vergleich des zu untersuchenden Sachverhalts mit den Idealtypen festgestellt werden, ob das beobachtete Phänomen dem Idealtyp entspricht. Kann ein Prozessverhalten auf diese Art und Weise als rechtsmissbräuchlich qualifiziert werden, so könnte auch der Frage nach einer geeigneten Missbrauchsreaktion nachgegangen werden.

Da es sich bei den Idealtypen um gedankliche Konstruktionen handelt, kann es nicht entscheidend sein, wie die Interviewpartner ein Verhalten bezeichnen und welchem Idealtyp sie es zuordnen. Vielmehr kommt es darauf an, welche Erfahrungen beobachtet und beschrieben wurden. Demzufolge sind die beschriebenen Phänomene durch den Forscher zu betrachten und ihrem Inhalt nach zu strukturieren, ohne dass den Begrifflichkeiten der Interviewpartner eine bindende Wirkung zukommt.

Im ersten Teil der Untersuchung wurde bereits dargestellt, dass nach nahezu einhelliger Meinung eine missbräuchliche Inanspruchnahme prozessualer Befugnisse bejaht wird, wenn ein Verfahrensbeteiligter diese nutzt, um gezielt verfahrensfremde oder verfahrenswidrige Zwecke zu verfolgen.476

In den Interviews zeigte sich, dass es aus Sicht der Verfahrensbeteiligten oftmals die formal korrekte Wahrnehmung der Verteidigungsbefugnisse ist,...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.