Show Less
Restricted access

Handschrift und Körpernotation

Schriftliche und mündliche Überlieferungen von Kirchenmusik in Kamerun

Series:

Nepomuk Riva

Wie verändert sich afrikanische Kirchenmusik, wenn sie aufgeschrieben wird? Wie gelingt es Dorfchören, Lieder mündlich zu überliefern? Im Mittelpunkt dieses Buches steht das Werk des Kameruner Dorfpfarrers Elias E. Ngole (1913-2005). Ausgehend von der britischen Tonic Sol-fa Solmisationsschrift hat er eine Notation für seine Lieder entwickelt. Der Autor rekonstruiert das System dieser Notenschrift und analysiert die Techniken der mündlichen Übermittlung, die vor allem durch eine spezialisierte Gestik gesichert wird. Das Buch ist eine musikethnologische Studie über eine Musikpraxis im Bakossi-Gebiet, die neben Klang und Sprache die Körperbewegungen mit einbezieht. Zugleich bietet sie viele Vergleichspunkte zu Fragen der Entstehung von Musiknotationen überhaupt.
Show Summary Details
Restricted access

1. Hauptteil: Elias Ebong Ngole – Leben, Werk und Überlieferung

Extract

1.  Hauptteil: Elias Ebong Ngole – Leben, Werk und Überlieferung

Thematischer Einstieg (Fallbeispiel 1): Ein christlicher Preisgesang aus einem Dorf in West-Kamerun

Mit diesem Aufruf begann eines der Lieder, die der Seraphim Choir der Presbyterianischen Gemeinde in dem Dorf Nlog (Abb. 2) mir 2004 bei meiner ersten Reise ins Bakossi-Gebiet vorsang. Ich hatte den Chor darum gebeten, mir bei dem eigens arrangierten Konzert nach dem Sonntagsgottesdienst seine besten Stücke vorzusingen. Dieses wurde mir zu Beginn präsentiert. Wann immer ich den Seraphim Choir in den darauffolgenden Jahren besuchte, hörte ich es erneut. Für den Chor ist es das wichtigste Lied, drückt den Stolz der Dorfgemeinschaft aus und ist das erste christliche Preislied, das in den 1960er Jahren in der lokalen Sprache Akoose entstanden ist. Dem Bewusstsein aller Chormitglieder nach ist dieses Stück im Stil einer einheimischen christlichen Musik komponiert und beruht nicht auf europäischen Vorbildern. Der Textbeginn, der an alttestamentliche Psalmverse erinnert (Ps 66,1; Ps 67,4), ist an Zuhörer außerhalb des Dorfes gerichtet und lässt darauf schließen, dass der Chor einmal im gesamten Bakossi-Gebiet bekannt war. Als ich ihn kennenlernte, kämpfte er mit der Überalterung seiner Mitglieder und war seit Jahren nicht mehr außerhalb des Gemeindebezirkes aufgetreten. Der Chorgründer und Leiter, Njikang Enongene (1925–2010), konnte damals aus gesundheitlichen Gründen sein Haus nicht mehr verlassen. Bei jedem weiteren Besuch fand ich den Chor in verringerter Besetzung vor. Ende der 1950er Jahre...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.