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Handschrift und Körpernotation

Schriftliche und mündliche Überlieferungen von Kirchenmusik in Kamerun

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Nepomuk Riva

Wie verändert sich afrikanische Kirchenmusik, wenn sie aufgeschrieben wird? Wie gelingt es Dorfchören, Lieder mündlich zu überliefern? Im Mittelpunkt dieses Buches steht das Werk des Kameruner Dorfpfarrers Elias E. Ngole (1913-2005). Ausgehend von der britischen Tonic Sol-fa Solmisationsschrift hat er eine Notation für seine Lieder entwickelt. Der Autor rekonstruiert das System dieser Notenschrift und analysiert die Techniken der mündlichen Übermittlung, die vor allem durch eine spezialisierte Gestik gesichert wird. Das Buch ist eine musikethnologische Studie über eine Musikpraxis im Bakossi-Gebiet, die neben Klang und Sprache die Körperbewegungen mit einbezieht. Zugleich bietet sie viele Vergleichspunkte zu Fragen der Entstehung von Musiknotationen überhaupt.
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2. Hauptteil: Ngoles Tonic Sol-fa Notation

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2.  Hauptteil: Ngoles Tonic Sol-fa Notation

Thematischer Einstieg (Fallbeispiel 2): Eine afrikanisches Osterlied und seine musikalischen Wurzeln

Ngoles einziges narratives Lied erzählt die Ostergeschichte der Frauen am leeren Grab in einer Evangelienharmonie nach Mk 16,1–8 bzw. Lk 24,1–6.170 Es handelt sich um sein längstes Stück und besteht aus acht verschiedenen Strophen, einem Refrain, einem Chorus-Abschnitt mit Soli, der Wiederholung des Refrains und einer abschließenden Coda. Die Mehrstimmigkeit wechselt in den Strophen zwischen einem vierstimmigen Chorsatz, Einzelstimmen und einem Sopransolo. Im Chorus-Abschnitt trennt sich der Bass mit einer eigenen melodischen Formel von den Oberstimmen, Solostimmen singen und sprechen darüber. Dieses Stück könnte als kleine Kantate bezeichnet werden. Kein anderer Komponist im Bakossi-Gebiet hat so lange, kompositorisch abwechslungsreiche, narrative Lieder komponiert.

Dieses Stück wurde mir 2004 vom Seraphim Choir in Nlog vorgetragen, der Congregational Choir in Ngomboku war 2010 ebenfalls in der Lage, es zu singen. In beiden Fällen kam es während der Aufführungen zu kleinen Fehlern im Ablauf, die ohne Abbruch korrigiert werden konnten. Auf den Aufnahmen des Seraphim Choirs von 1980 in Kumba ist es in gleicher Weise überliefert, in der Coda wird nur zusätzlich noch einen Doppelgong als Begleitinstrument verwendet. Das Lied wird also mindestens seit 30 Jahren mündlich stabil überliefert. Der Refrain ist rhythmisch, wird schnell vorgetragen und verfügt über eine eingängige Melodie. Textlich wird vom Chor die Frage der verzweifelten Maria am...

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