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Handschrift und Körpernotation

Schriftliche und mündliche Überlieferungen von Kirchenmusik in Kamerun

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Nepomuk Riva

Wie verändert sich afrikanische Kirchenmusik, wenn sie aufgeschrieben wird? Wie gelingt es Dorfchören, Lieder mündlich zu überliefern? Im Mittelpunkt dieses Buches steht das Werk des Kameruner Dorfpfarrers Elias E. Ngole (1913-2005). Ausgehend von der britischen Tonic Sol-fa Solmisationsschrift hat er eine Notation für seine Lieder entwickelt. Der Autor rekonstruiert das System dieser Notenschrift und analysiert die Techniken der mündlichen Übermittlung, die vor allem durch eine spezialisierte Gestik gesichert wird. Das Buch ist eine musikethnologische Studie über eine Musikpraxis im Bakossi-Gebiet, die neben Klang und Sprache die Körperbewegungen mit einbezieht. Zugleich bietet sie viele Vergleichspunkte zu Fragen der Entstehung von Musiknotationen überhaupt.
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3. Hauptteil: Ngoles Liedtexte als Erinnerungshilfe

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3.  Hauptteil: Ngoles Liedtexte als Erinnerungshilfe

Thematischer Einstieg (Fallbeispiel 3): Eine christliche Neuinterpretation einer traditionellen Grabrede

Auf diese Art beginnt das Lied, das zu den wenigen gehört, die von Ngole für einen bestimmten Anlass komponiert sind, „a song for burrial“ (K16). Beerdigungen nehmen eine wichtige Stellung in seinem Werk ein. Mindestens fünf Lieder sind speziell für Totenfeierlichkeiten geschrieben (N S.74/138, N10/59/60/67), andere haben das Leben nach dem Tod zum Thema (N37/62) und im Mittelpunkt der Ostergeschichte (N12) steht eine Totenklage. Ngole hat mehr Lieder zu diesem als zu irgendeinem anderen kirchlichen Anlass komponiert; zu Lebenszeitfesten wie Geburt, Taufe oder Hochzeit existieren gar keine.

Die ersten beiden Strophen und der folgende Refrain sind ohne einen christlichen Bezug formuliert. Es geht um den Abschied und den Wunsch einer guten Reise für den Verstorbenen (A/C), der mit der Hoffnung auf ein zukünftiges Wiedersehen verbunden ist (B). Die Bedeutung dieser Zeilen wird erst verständlich, wenn sie im Vergleich mit einer traditionellen Grabrede aus der Region Mifi betrachtet werden, die Thiesbonenkamp in seinem Buch über Totenbestattung in Kamerun zitiert.

Geh, habe eine gute Reise, aber schaue hinter dich, wenn einer für deinen Tod verantwortlich ist. Geh und komme ihn vor sieben Tagen holen, räche dich und zögere nicht. Aber im Gegenteil, wenn du eines natürlichen Todes gestorben bist, ruhe in Frieden, grüße die unseren, die im Land der Toten sind und bereite für uns...

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