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Handschrift und Körpernotation

Schriftliche und mündliche Überlieferungen von Kirchenmusik in Kamerun

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Nepomuk Riva

Wie verändert sich afrikanische Kirchenmusik, wenn sie aufgeschrieben wird? Wie gelingt es Dorfchören, Lieder mündlich zu überliefern? Im Mittelpunkt dieses Buches steht das Werk des Kameruner Dorfpfarrers Elias E. Ngole (1913-2005). Ausgehend von der britischen Tonic Sol-fa Solmisationsschrift hat er eine Notation für seine Lieder entwickelt. Der Autor rekonstruiert das System dieser Notenschrift und analysiert die Techniken der mündlichen Übermittlung, die vor allem durch eine spezialisierte Gestik gesichert wird. Das Buch ist eine musikethnologische Studie über eine Musikpraxis im Bakossi-Gebiet, die neben Klang und Sprache die Körperbewegungen mit einbezieht. Zugleich bietet sie viele Vergleichspunkte zu Fragen der Entstehung von Musiknotationen überhaupt.
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4. Hauptteil: Mündlicher Proben- und Übermittlungsprozess

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4.  Hauptteil: Mündlicher Proben- und Übermittlungsprozess

Der ‚Presbyterian Church Day‘ ist aus dem jährlichen Missionsfest entstanden und findet stets am ersten Sonntag nach dem 13. November statt; früher um die Verbundenheit mit der deutsch-schweizerischen Missionskirche auszudrücken, heute um die Unabhängigkeit der PCC zu feiern. Es handelt sich um das größte jährliche Kirchenfest. Am 16.11.2008 nahm ich an einem solchen im Dorf Bendume teil, das etwa eine halbe Stunde von Nlog entfernt liegt. Hier wurde der Festtag für den gesamten Kirchenbezirk gefeiert, da die umliegenden Gemeinden klein sind und keinen eigenen Pfarrer haben. Am Ende der fünfstündigen Veranstaltung traten sechs regionale Chöre zu einem Wettbewerb gegeneinander an. Jeder marschierte mit einem Prozessionslied vor den Altar, präsentierte ein längeres Lied und verließ danach die ‚Bühne‘ wieder unter Gesang. Der Seraphim Choir steuerte damals nach dem Wunsch von Njikang Enongene das Lied Nnam me be bei, eine eigene Vertonung des ersten Psalms. Der Anfang erinnerte an den Beginn eines Liedes von Ngole.

Abb. 81: Melodievergleich Nnam me be (Enongene) und Tite ye, Tite ye (N62) (nach G transponiert)



Der Beginn einer Melodie auf der Terz und der folgende Abstieg zum Grundton im gleichen Rhythmus verbindet die beiden Melodien (1.), auch das Umspielen des Grundtones (2.) sowie der punktierte Rhythmus mit Abstieg von der Quarte (3.) und die folgende Schlusswendung (4. Kästchen, Abb. 81). Weder inhaltlich noch textlich stehen die Lieder...

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