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Handschrift und Körpernotation

Schriftliche und mündliche Überlieferungen von Kirchenmusik in Kamerun

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Nepomuk Riva

Wie verändert sich afrikanische Kirchenmusik, wenn sie aufgeschrieben wird? Wie gelingt es Dorfchören, Lieder mündlich zu überliefern? Im Mittelpunkt dieses Buches steht das Werk des Kameruner Dorfpfarrers Elias E. Ngole (1913-2005). Ausgehend von der britischen Tonic Sol-fa Solmisationsschrift hat er eine Notation für seine Lieder entwickelt. Der Autor rekonstruiert das System dieser Notenschrift und analysiert die Techniken der mündlichen Übermittlung, die vor allem durch eine spezialisierte Gestik gesichert wird. Das Buch ist eine musikethnologische Studie über eine Musikpraxis im Bakossi-Gebiet, die neben Klang und Sprache die Körperbewegungen mit einbezieht. Zugleich bietet sie viele Vergleichspunkte zu Fragen der Entstehung von Musiknotationen überhaupt.
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5. Hauptteil: Gesten als Körpernotation

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5.  Hauptteil: Gesten als Körpernotation

Mit diesem einstimmigen Ausruf der Sopranstimme, der zwischen zwei Tönen hin und her pendelt, beginnt das gleichnamige Lied (K41).469 Die in vielerlei Hinsicht ungewöhnliche Komposition gehörte ebenfalls zu den Liedern, die mir der Seraphim Choir beim Konzert 2004 vorsang. Die Dirigentin Mbole Njikang beugte ihren Oberkörper auf dem ersten Ton leicht nach vorne in Richtung der Sängerinnen, nahm ihre beiden Händen locker zusammen und markierte mit einem leichten Schlag nach unten den Einsatz (1., Abb. 138).470 Dann ließ sie die Hände sinken und richtete ihren Körper wieder auf, während die Sängerinnen den Ton hielten. Bei der folgenden Textzeile schlug sie Akzente, diesmal indem sie ihre Hände durch die Rotation von Elle und Speiche zwischen einer Außen- und Innenposition pendeln ließ (2.). Nach drei regelmäßigen Schlagwerten hielt sie auf der letzten Silbe inne und ließ den Ton in unbestimmter Länge weitersingen. Bei der folgenden zweisilbigen Chorantwort, markierte sie den ersten Ton in der Außenposition und vollzog dann auf dem zweiten Ton eine Abschlussgeste, indem sie die Hände vor der Brust eng zusammen nahm und dann schnell, fast gerade, nach außen zog und diese Stellung hielt (3.).

Schon an diesem kurzen Abschnitt ist zu erkennen, dass die Dirigentin keine metrische Vorstellung vermitteln will. Mbole Njikang begleitet mit ihren Gesten den Rhythmus der Melodie und reiht durch Bewegungseinheiten die musikalischen Motive aneinander. Was auf...

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