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Karrieren zwischen Diktatur und Demokratie

Die Berufungspolitik in der Kieler Theologischen Fakultät 1936 bis 1946

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Martin Göllnitz

Die Untersuchung befasst sich mit der vollständigen personellen Umstrukturierung der Kieler Theologischen Fakultät im Wintersemester 1935/36. Im Zuge der Neuordnung wurden die vertriebenen und zwangsentpflichteten Ordinarien durch junge, dem NS-Regime meist loyal gegenüberstehende Nachwuchswissenschaftler ersetzt. Die Arbeit beleuchtet die Vorgänge innerhalb der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und des Reichserziehungsministeriums, die zur Berufung dieser neuen Ordinarien führte, und blickt darüber hinaus auf die akademischen Karrierewege der Kieler Theologen nach 1945. Erstmalig für die Christian-Albrechts-Universität wird dabei auch die Entnazifizierung einer ganzen Fakultät in Augenschein genommen.
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5. Schlussbetrachtung und Ausblick

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Die Untersuchung der berufungspolitischen Einwirkungen und Entscheidungen an der Theologischen Fakultät der CAU von 1936 bis 1946 eröffnet einige Erklärungsansätze, die zu einem vertieften Verständnis politischer Eingriffe in die Hochschulpolitik der schleswig-holsteinischen Landesuniversität im Dritten Reich beitragen. Die große Anzahl von Interventionen durch das REM sowie die verstärkt auf ideologischen und weltanschaulichen Faktoren beruhenden Gutachten des NSDDB bestätigen das Bild der im Grunde unakademischen NSDAP.351

Hatte sich zum Ende des 19. Jahrhunderts unter dem „allmächtigen Ministerialdirektor“ der preußischen Hochschulverwaltung im „Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten“, Friedrich Althoff, das von dessen Mitstreitern und Gegnern nach ihm benannte „System Althoff“ etabliert, brach das REM unter Bernhard Rust mit diesem System bzw. deutete es um: Nicht die höchstmögliche wissenschaftliche oder akademische Qualität, sondern die politische Zuverlässigkeit und Linientreue der künftigen Ordinarien wurde nun zum entscheidenden Berufungskriterium.352 Das REM ignorierte die häufig auf wissenschaftlichen Aspekten beruhenden Fakultätsvorschläge und beriet sich stattdessen mit den gleichgeschalteten deutschen Hochschulorganisationen. Insbesondere positiv lautende Gutachten des NSDStB und des NSDDB waren ein wesentliches Kriterium bei der Berufung des geeigneten Kandidaten. Die Nationalsozialisten beendeten die von Althoff geprägte Hochschulpolitik, die sich in den glanzvollen Namen der damals an deutschen Universitäten lehrenden Gelehrten widerspiegelte und den Typus des großen Repräsentanten eines Fachs prägte, der wesentliche neue Ideen in seine Disziplin eingeführt hatte und als „Mandarin“ in die Wissenschaftsgeschichte einging.353 International renommierte Wissenschaftler wurden...

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