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Hegel in der Kritik zwischen Schelling und Marx

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Wolfdietrich Schmied-Kowarzik

Dieses Buch thematisiert, auf zentrale Fragestellungen Hegels bezogen, die beiden grundlegendsten Kritiken seines absoluten Idealismus. Hegels Dialektik ist der Versuch, den Geist als das Übergreifende über sich als Denken und sein Anderes, das Sein, zu begreifen. Doch kann der Geist in dieser Dialektik das Sein immer nur als Gegenstand des Denkens fassen, nicht aber als eigenständige Wirklichkeit, der es selbst mit angehört. Dies arbeitet Schelling in seiner Auseinandersetzung mit der Logik seines Jugendfreundes Hegel heraus und expliziert dies insbesondere am Problembereich der Naturphilosophie. Unabhängig davon kommt etwas später Marx zu einer ganz ähnlichen Kritik, die er vor allem an Problemstellungen der Gesellschafts- und Geschichtsphilosophie darlegt.
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1. Philosophie im Primat der Praxis

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Kants Rede vom „Primat der praktischen Vernunft“ spricht zunächst der einen Vernunft zwei verschiedene Aufgaben zu: die theoretische Erkenntnisbestimmung und die praktische Willensbestimmung und weist sodann der praktischen Vernunft eine sich und die theoretische Vernunft übergreifende Bedeutung zu.

Die theoretische bzw. spekulative Vernunft konstituiert zwar all unsere Erkenntnisse von der Welt und von uns, aber sieht zugleich selbstreflexiv ein, dass unser Erkennen niemals bis zur Wirklichkeit an sich vorzudringen vermag. Die praktische bzw. sittliche Vernunft spricht uns von vornherein als Wesen in der Wirklichkeit an sich an, trägt aber mit ihrer Willensbestimmung nichts zum Erkennen von uns und der Welt bei.

Trotz all dieser tiefsinnigen Differenzierungen bleibt Kant gerade in der Begründung der Scheidung beider Vernunftaufgaben aus ihrer gemeinsamen Einheit und mehr noch in der Begründung des Vorrangs der praktischen Vernunft nicht nur wortkarg, sondern sogar ausgesprochen unentschieden und zweideutig. Daher seien hier einige Gesichtspunkte zu diesem Problem aus unserer philosophischen Tradition erneut zusammengetragen und bedacht.

Obwohl es bereits vorher Reflexionen zur Differenzierung von praktischer und theoretischer Philosophie gab, werden deren Besonderheiten endgültig erst durch Sokrates, Platon und Aristoteles herausgearbeitet. In der theoretischen Philosophie geht es um die Erkenntnis des Kosmos vom allumfassenden Himmelsumschwung bis zur irdischen Welt der Pflanzen, Tiere und Menschen. Demgegenüber spricht die praktische Philosophie das je von uns zu entscheidende und zu verantwortende Handeln gegenüber den anderen Menschen und ← 17 | 18 → der Polisgemeinschaft an. Ins Zentrum der praktischen Philosophie gehören dabei unabdingbar...

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