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Hegel in der Kritik zwischen Schelling und Marx

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Wolfdietrich Schmied-Kowarzik

Dieses Buch thematisiert, auf zentrale Fragestellungen Hegels bezogen, die beiden grundlegendsten Kritiken seines absoluten Idealismus. Hegels Dialektik ist der Versuch, den Geist als das Übergreifende über sich als Denken und sein Anderes, das Sein, zu begreifen. Doch kann der Geist in dieser Dialektik das Sein immer nur als Gegenstand des Denkens fassen, nicht aber als eigenständige Wirklichkeit, der es selbst mit angehört. Dies arbeitet Schelling in seiner Auseinandersetzung mit der Logik seines Jugendfreundes Hegel heraus und expliziert dies insbesondere am Problembereich der Naturphilosophie. Unabhängig davon kommt etwas später Marx zu einer ganz ähnlichen Kritik, die er vor allem an Problemstellungen der Gesellschafts- und Geschichtsphilosophie darlegt.
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17. Von Sinn und Ende der Geschichte. Fragen an Hegel und Marx angesichts des Exterminismus

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Seit Mitte unseres Jahrhunderts sind wir unwiderruflich in die Endzeit der Menschheitsgeschichte eingetreten, denn seit den 50er Jahren besitzen wir die wissenschaftlichen und technischen Möglichkeiten, die Menschheit und darüber hinaus alles irdische Leben auslöschen, das Ende unserer Geschichte herbeiführen zu können.

Diese Möglichkeit der Selbstvernichtung der Menschen kann niemals mehr aus der Menschheitsgeschichte getilgt werden. Wir können nur versuchen, pädagogisch und politisch daran zu arbeiten, dass die Menschen diese Möglichkeit sittlich zu bewältigen lernen. Eindrucksvoll hat Günther Anders, der unermüdliche Mahner, dieses Problems bereits 1959 in Endzeit und Zeitenende ausgesprochen: „Mit dem 6. August 1945, dem Hiroshimatage, hat ein neues Zeitalter begonnen: das Zeitalter, in dem wir in jedem Augenblick jeden Ort, nein unsere Erde als ganze, in ein Hiroshima verwandeln können. […] Gleich wie lange, gleich ob es ewig währen wird, dieses Zeitalter ist das letzte: Denn […] die Möglichkeit unserer Selbstauslöschung kann niemals enden – es sei denn durch das Ende selbst. […] Unser Dasein definiert sich mithin als ‚Frist‘ […]. Durch diese Tatsache hat sich die moralische Grundfrage verändert: […] ‚Wir haben dafür zu sorgen, daß die Endzeit, obwohl sie jederzeit in Zeitenende umschlagen könnte, endlos werde; also, daß der Umschlag niemals eintrete.‘“170

Obwohl wir uns erst seit wenigen Jahrzehnten in der Endzeit befinden, schreitet sie in unglaublicher Rasanz voran. Heute wissen wir bereits, dass es nicht nur die atomaren, chemischen und biologischen Vernichtungswaffen sind, die durch ihren Einsatz...

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