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Hegel in der Kritik zwischen Schelling und Marx

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Wolfdietrich Schmied-Kowarzik

Dieses Buch thematisiert, auf zentrale Fragestellungen Hegels bezogen, die beiden grundlegendsten Kritiken seines absoluten Idealismus. Hegels Dialektik ist der Versuch, den Geist als das Übergreifende über sich als Denken und sein Anderes, das Sein, zu begreifen. Doch kann der Geist in dieser Dialektik das Sein immer nur als Gegenstand des Denkens fassen, nicht aber als eigenständige Wirklichkeit, der es selbst mit angehört. Dies arbeitet Schelling in seiner Auseinandersetzung mit der Logik seines Jugendfreundes Hegel heraus und expliziert dies insbesondere am Problembereich der Naturphilosophie. Unabhängig davon kommt etwas später Marx zu einer ganz ähnlichen Kritik, die er vor allem an Problemstellungen der Gesellschafts- und Geschichtsphilosophie darlegt.
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18. Wird die Weltvernichtung faktisch unser Weltgericht werden?

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„Die Weltgeschichte ist ferner nicht das bloße Gericht seiner Macht, d.i. die abstrakte und vernunftlose Notwendigkeit eines blinden Schicksals, sondern, weil er an und für sich Vernunft und ihr Für-sich-sein im Geiste Wissen ist, ist sie […] die Auslegung und Verwirklichung des allgemeinen Geistes.“ (Hegel 7, 504)

Schon oft ist Hegels Konzeption der Weltgeschichte und insbesondere ihre Bestimmung als Weltgericht kritisiert worden, da sie in sich selbst, immanent aus der Dialektik der Hegelschen Philosophie bedacht, durch und durch widersprüchlich ist.

Ich will hier Hegels Konzeption der Weltgeschichte weniger immanent untersuchen, als sie der Konfrontation mit unseren weltgeschichtlichen Problemen aussetzen: Angesichts der aufgehäuften Atom-Waffenarsenale ist heute ein Weltkrieg gleichbedeutend mit einer Menschheitsvernichtung, zwar versuchen beide Machtblöcke durch Aufrüstung mit verfeinerten Erstschlagtechnologien und Neutronenbomben sich selbst aus der Vernichtung auszunehmen, doch wird durch diese sich selbst regulierende Technologie gleichzeitig – um in dieser barbarischen Denkweise zu bleiben – die ungewollte Selbstvernichtung der Menschheit durch eine technische Fehlleistung unendlich wahrscheinlicher als ein geplantes menschliches Überleben der Menschheit.

Darüber hinaus lässt uns das gebannte Starren auf diese Möglichkeit eines menschheitsvernichtenden Weltkrieges nicht erkennen, dass hinter unserem Rücken eine schleichende, aber unaufhaltsame Vergiftung und Lebenszerstörung am Werk ist, die unabhängig, ob es zum Krieg kommt oder nicht, die Fortdauer unserer industriellen Produktionsweise in West und Ost und Weltweit nicht nur unser menschliches, sondern alles irdische Leben unumkehrbar ← 276 | 277 → ruiniert. So schleichend diese Zerstörung der Biosphäre auch...

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