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Pränatale Schädigungen mit postnatalen Folgen

Überlegungen zu einem neuen Schutz- und Haftungskonzept unter Berücksichtigung der US-amerikanischen Rechtslage

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Christine Robben

Pränatale Schädigungen stehen bereits seit dem Contergan-Skandal in der Diskussion, haben jedoch in den letzten Jahren aufgrund des medizinischen Fortschritts und einer aus den Vereinigten Staaten stammenden Debatte über den Umgang mit schädigenden Verhaltensweisen einer schwangeren Frau neue Impulse erhalten. Die Arbeit untersucht die verfassungsrechtlichen Vorgaben für den Schutz des sich entwickelnden menschlichen Lebens und analysiert die vorhandenen Regelungen im einfachen Recht. Insbesondere der strafrechtliche Schutz gegen pränatale Einwirkungen, die zu postnatalen Gesundheitsschädigungen führen, erweist sich als unvollständig. Vor diesem Hintergrund wird ein eigenständiges Schutz- und Haftungskonzept entwickelt.
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A. Einleitung

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A.  Einleitung

„In unserer Rechtsordnung ist kein anderes Rechtsgut so schutzlos wie das ungeborene Leben.“1

Am 31. August 2012 wurde in Stolberg bei Aachen das erste Denkmal für die Contergan-Opfer enthüllt. Das Pharmaunternehmen Grünenthal GmbH2, das im Jahre 1957 das Schlafmittel Contergan auf den Markt brachte, wollte mit der Skulptur ein Symbol für die Opfer der Tragödie schaffen und sich dafür entschuldigen, dass man 50 Jahre lang nicht „den Weg zu [ihnen], von Mensch zu Mensch, gefunden habe“.3 Doch das Denkmal traf nicht nur auf Zustimmung. Es gab Protest von Contergan-Opfern und der Bundesverband Contergangeschädigter blieb der Einweihungsfeier demonstrativ fern. Weltweit nahmen Opferverbände die Enthüllung zum Anlass, um das Pharmaunternehmen und seinen Umgang mit der Contergan-Tragödie erneut zu kritisieren.4

In den Jahren von 1957 bis 1961 wurde das Schlafmittel Contergan in Deutschland rezeptfrei vertrieben. Der enthaltene Wirkstoff Thalidomid stört – wie man heute weiß – die Neubildung von Blutgefäßen und eine Einnahme während der Schwangerschaft führt zu schweren, irreversiblen Missbildungen der Leibesfrucht. Contergan verursachte eine menschliche und medizinische Katastrophe. Weltweit wird die Zahl der Opfer auf rund 10.000 Menschen geschätzt.5

Und auch in rechtlicher Hinsicht herrscht bis heute für die Betroffenen ein unbefriedigender Zustand.

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