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Die Inszenierung der Nation

Das Kaiserreich Brasilien im Zeitalter der Weltausstellungen

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Sven Schuster

Das Buch erforscht die Beteiligung Brasiliens an den Weltausstellungen des 19. Jahrhunderts, mit denen das tropische Kaiserreich potenzielle Einwanderer und Investoren ködern wollte. Die Inszenierung einer modernen Nation im Ausland hatte nur wenig mit der von wirtschaftlicher Rückständigkeit und Sklaverei geprägten Realität gemein. So konnten die idealisierten Exponate in den Ausstellungspavillons die Spannungen im Inneren des Kaiserreichs nur bedingt verdecken. Auf den Weltausstellungen wird somit in kondensierter Form sichtbar, welche Widersprüche sich im Nationsbildungsprozess auftaten, welche globalen Einflüsse dabei eine Rolle spielten und wie bis heute nachwirkende kollektive Selbst- und Fremdbilder entstanden.
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I. Die Inszenierung der Nation

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I.Die Inszenierung der Nation

In Brazil, the scrutinizing of the territory by photography as well as by geography, geology or botany was, in addition to material of scientific interest, also a political necessity for the consolidation of the Imperial state: photographic views and panoramas are recognized as framings of the country that typify the land’s scenery, customs and people, electing them the singular attributes of a national identity under construction, substantiated in the variety and exuberance of these images.37 (Maria Inez Turazzi)

1.1Bilder, politische Ikonografie und Inszenierungen

Seit den 1990er Jahren finden sich vermehrt historiografische Arbeiten, die Bilder nicht mehr nur zur bloßen Illustration heranziehen, sondern als eigenständige Quellengattung behandeln. Bilder verdienen es in diesem Sinne ebenso wie Texte nach der herkömmlichen quellenkritischen Methode einer inneren und äußeren Kritik unterzogen zu werden. Im Zuge des so genannten pictorial turn (W. J. T. Mitchell) beziehungsweise des iconic turn (Gottfried Boehm) erschien eine Vielzahl von kulturwissenschaftlich geprägten Arbeiten, in denen Bildquellen entweder zur Ergänzung der über gedruckte und archivalische Quellen gewonnen Erkenntnisse dienen konnten, oder aber einen Großteil der Quellenbasis ausmachten. In methodischer Hinsicht bauten die meisten dieser Studien auf ethnologischen oder kunsthistorischen Ansätzen auf, wobei dem lange Zeit unbeachteten Pionier der Bildforschung, dem Kunsthistoriker Erwin Panofsky, eine besondere Bedeutung zukam.38 Wie Rolf Reichardt feststellt, galt vielen Historikern in den 1980er und 90er Jahren Panofskys methodischer Dreischritt von der »vor-ikonografischen Beschreibung« über die »ikonografisch-historische Analyse« bis zum »Erschlie...

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