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Die Inszenierung der Nation

Das Kaiserreich Brasilien im Zeitalter der Weltausstellungen

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Sven Schuster

Das Buch erforscht die Beteiligung Brasiliens an den Weltausstellungen des 19. Jahrhunderts, mit denen das tropische Kaiserreich potenzielle Einwanderer und Investoren ködern wollte. Die Inszenierung einer modernen Nation im Ausland hatte nur wenig mit der von wirtschaftlicher Rückständigkeit und Sklaverei geprägten Realität gemein. So konnten die idealisierten Exponate in den Ausstellungspavillons die Spannungen im Inneren des Kaiserreichs nur bedingt verdecken. Auf den Weltausstellungen wird somit in kondensierter Form sichtbar, welche Widersprüche sich im Nationsbildungsprozess auftaten, welche globalen Einflüsse dabei eine Rolle spielten und wie bis heute nachwirkende kollektive Selbst- und Fremdbilder entstanden.
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II. Auf der Bühne des Fortschritts

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II.Auf der Bühne des Fortschritts

Depende do concurso de todos a consagração da patriótica divisa de Turgot: Ordem, liberdade e progresso.149 (Antônio Luiz Fernandes da Cunha)

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Brasiliens erste offizielle Teilnahme an einer Weltausstellung ausgerechnet in London, dem Zentrum des britischen Weltreichs, stattfand. Schließlich gestalteten sich die Beziehungen zwischen Großbritannien und Brasilien seit der Ankunft der portugiesischen Königsfamilie in Rio de Janeiro am 8. März 1808 nicht gerade spannungsfrei. Vor allem die ungleichen Handelsbeziehungen und der transatlantische Sklavenhandel hatten in der Vergangenheit vielfach zu Konflikten geführt.

In wirtschaftlicher Hinsicht hatte sich besonders der im Dezember 1703 zwischen Portugal und England abgeschlossene Methuen-Vertrag als schwere Hypothek erwiesen. So war es England auf der Grundlage dieses Abkommens erlaubt, Textilien zollfrei nach Portugal und dessen Kolonien zu exportieren, während die Portugiesen im Gegenzug Portwein nach England ausführen durften. Sowohl in Portugal als auch in Brasilien wurde eine Diversifizierung der Wirtschaft dadurch verhindert beziehungsweise enorm verzögert. In Brasilien kam es im Rahmen einer zunächst merkantilistischen und ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts dann moderat »liberalen« Wirtschaftspolitik außerdem zu einem stetigen Ressourcenabfluss bei ausbleibenden Reinvestitionen, was besonders in rohstoffreichen Regionen wie Minas Gerais zu Unmut und schließlich sogar zu Unabhängigkeitsforderungen führte. Ein Großteil der in Brasilien gewonnenen Edelmetalle sowie Zucker, Kakao, Tabak, tropische Hölzer, Häute und Baumwolle waren dabei für...

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