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Die Inszenierung der Nation

Das Kaiserreich Brasilien im Zeitalter der Weltausstellungen

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Sven Schuster

Das Buch erforscht die Beteiligung Brasiliens an den Weltausstellungen des 19. Jahrhunderts, mit denen das tropische Kaiserreich potenzielle Einwanderer und Investoren ködern wollte. Die Inszenierung einer modernen Nation im Ausland hatte nur wenig mit der von wirtschaftlicher Rückständigkeit und Sklaverei geprägten Realität gemein. So konnten die idealisierten Exponate in den Ausstellungspavillons die Spannungen im Inneren des Kaiserreichs nur bedingt verdecken. Auf den Weltausstellungen wird somit in kondensierter Form sichtbar, welche Widersprüche sich im Nationsbildungsprozess auftaten, welche globalen Einflüsse dabei eine Rolle spielten und wie bis heute nachwirkende kollektive Selbst- und Fremdbilder entstanden.
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III. Maschinen und Menschenfresser

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III.Maschinen und Menschenfresser

Pelo menos sabe-se agora na Europa, (que pode ser bem adiantada em muitos ramos de cultura e civilização, menos porém em história e geografia), que nós não somos todos negros, e mulatos, que por aqui já há um principiozinho de cultura mais elevada, sem falar dos nossos produtos, que temos expostos e que, pode-se dizer, agradecemos principalmente ao nosso clima e ao solo, fértil para muito mais.447 (A Semana Illustrada)

Nach der für Brasilien eher enttäuschend verlaufenen Beteiligung an der Pariser Universalausstellung von 1867 konzentrierte sich das Kaiserreich zunächst auf dringlichere Aufgaben. An erster Stelle musste der »barbarische« Nachbar Paraguay niedergerungen werden. Nach dem Sieg über den verhassten caudilho Francisco Solano López, der am 1. März 1870 von einer durch den Conde d’Eu geleiteten Expedition im paraguayischen Hinterland aufgespürt und getötet wurde, lasteten die vor allem in England aufgenommenen Kriegskredite schwer auf der Staatskasse, was die Durchführung weiterer nationaler oder internationaler Ausstellungen enorm erschwerte.448 Hinzu kam, dass die in der Folge des Krieges sich anbahnenden gesellschaftlichen Veränderungen – in erster Linie die schrittweise Sklavenbefreiung seit 1871 – zunehmend die politische Agenda des Kaisers, der Eliten sowie der sich formierenden republikanischen Opposition bestimmten.

Das bereits gegen Ende der Pariser Universalausstellung gegebene Versprechen, Brasilien auch in Wien angemessen zu repräsentieren, wurde jedoch trotz der schwierigen Situation eingehalten. Obwohl sich im Mai 1873 zu Beginn der Weltausstellung die finanzielle Lage...

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