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Die Inszenierung der Nation

Das Kaiserreich Brasilien im Zeitalter der Weltausstellungen

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Sven Schuster

Das Buch erforscht die Beteiligung Brasiliens an den Weltausstellungen des 19. Jahrhunderts, mit denen das tropische Kaiserreich potenzielle Einwanderer und Investoren ködern wollte. Die Inszenierung einer modernen Nation im Ausland hatte nur wenig mit der von wirtschaftlicher Rückständigkeit und Sklaverei geprägten Realität gemein. So konnten die idealisierten Exponate in den Ausstellungspavillons die Spannungen im Inneren des Kaiserreichs nur bedingt verdecken. Auf den Weltausstellungen wird somit in kondensierter Form sichtbar, welche Widersprüche sich im Nationsbildungsprozess auftaten, welche globalen Einflüsse dabei eine Rolle spielten und wie bis heute nachwirkende kollektive Selbst- und Fremdbilder entstanden.
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IV. Das Ende einer Ära

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IV.Das Ende einer Ära

En 1889, [le Brésil] y vient en montrant son drapeu vert et or d’où a disparu la tache noire de l’esclavage. Il y apporte une Bastille détruite, et l’affranchissement de plus d’un million d’hommes. Il y apporte une Révolution faite d’hier, et qui, elle, n’a fait verser que des larmes de reconnaissance. 888 (Frederico José de Santa-Anna Nery)

Nach der krisenhaften Situation gegen Ende der 1870er Jahre gelang es der brasilianischen Regierung zu Beginn der 1880er Jahre zumindest in ökonomischer Sicht Stabilität herzustellen. Da sich die Weltwirtschaft wieder erholt hatte, konnte sich das Kaiserreich mit seinen Agrarprodukten und Rohstoffen recht erfolgreich auf dem Weltmarkt behaupten und mit den Erlösen dringend benötigte Kredite im Ausland aufnehmen. Im Zuge der hervorragenden Konjunktur investierte die kaiserliche Regierung verstärkt in Infrastrukturmaßnahmen und arbeitete daran, das in den vergangenen Jahren aufgelaufene Haushaltsdefizit auszugleichen.889 In politischer Hinsicht stellte sich die Lage jedoch weiterhin kritisch dar. Zum einen erhielt die republikanische Bewegung immer mehr Zulauf, zum anderen forderten nun auch konservative Kräfte durchgreifende politische Reformen, wie etwa die schrittweise Föderalisierung des Landes (Questão Federativa).890 Unfähig, auf diese Forderungen mit der angemessenen Sensibilität zu reagieren und das politische System zu öffnen, tat die Regierung das Gegenteil und schränkte das Wahlrecht im Jahre 1881 sogar noch weiter ein. Analphabeten wurden ausgeschlossen und das Stimmrecht an eine Einkommensuntergrenze von 200 mil-réis gekoppelt.891

Der entscheidende...

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