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Sicherheitsforschung im Dialog

Beiträge aus dem Forschungsforum Öffentliche Sicherheit

Edited By Saskia Steiger, Lars Gerhold and Jochen Schiller

Das Buch ist eine Einführung in das interdisziplinäre Thema der Sicherheitsforschung und eine Aufforderung zu einem kritischen Dialog über eine neue Sicherheitskultur in unserer Gesellschaft. Expertinnen und Experten stellen in diesem Sammelband das Themenspektrum der Öffentlichen Sicherheit vom technisch Möglichen bis hin zum gesellschaftlich Akzeptierten dar und diskutieren aus naturwissenschaftlich-technischer als auch geistes- und sozialwissenschaftlicher Perspektive. Die Publikation ist hervorgegangen aus einer Ringvorlesung mit dem Titel Wie sicher wollen wir leben? Sicherheitsforsc hung im Dialog, die im Wintersemester 2013/14 im Rahmen des Offenen Hörsaals an der Freien Universität Berlin durchgeführt wurde. Ziel der Vorlesung war es, den durch das Forschungsforum Öffentliche Sicherheit initiierten und fachlich ausdifferenzierten Diskurs um Sicherheit in die interessierte Öffentlichkeit zu tragen und einen Beitrag zum Wissenstransfer zu leisten.
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Sicherheit als symbolisches Gut

Erfindung der Sicherheit – die Sicherheitsgesellschaft

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In der guten alten Zeit galt die Regel, dass das Recht die Grenzen des staatlichen Zugriffes in der Gesellschaft festlegt. Modernes Recht im bürgerlichen Rechtsstaat war typischerweise Abwehrrecht. Es sollte einerseits die minimalen Voraussetzungen für den gesellschaftlichen Verkehr regeln – Verträge sind einzuhalten, Eigentum ist zu respektieren, Gewalt nicht als Mittel der Auseinandersetzung zwischen den Bürgern zu verwenden – und andererseits festlegen, wann der Staat, in Gestalt von Polizei, Finanzamt und sonstigen Behörden, sich in die Privatsphäre der Bürger einmischen durfte. Die allgemeine Grundannahme war, dass die Zivilgesellschaft sich selbst regelt und rechtlich vermittelte staatliche Eingriffe nur im Fall manifester Störungen (etwa krimineller Handlungen) gerechtfertigt sind. Sicherheit war, wie man auf Neudeutsch sagen würde, der „Default State“ der Gesellschaft. Die Kriminologie beschäftigte sich traditionell mit dem Verbrechen und seiner Handhabung durch staatliche Instanzen. Das hat sich fundamental geändert. Es gibt einen paradigmatischen Aufsatz von Lucia Zedner mit dem schönen Titel „Pre-crime and post-criminology?“. Dieser Titel bringt die neue Situation zum Ausdruck. Es geht nicht mehr um das „Crimen“, die Kriminalität, d. h. einen Normenbruch, sondern es geht um das, was davor ist. Und es geht auch gar nicht mehr so sehr um die Sanktionen, sondern um Kontrolle und um Sicherheit. Das Thema Sicherheit soll im Folgenden im Rahmen einer kleinen Tour de Force durch diverse soziologische Ansatzpunkte dargestellt werden.

Die Ausführungen folgen hierbei drei Orientierungspunkten: Ich gehe zunächst auf die Erfindung der...

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