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Medienkollisionen und Medienprothesen

Literatur – Comic – Film – Kunst – Fotografie – Musik – Theater – Internet

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Edited By Gudrun Heidemann and Susanne Kaul

Mediale Bezugnahmen wie Intertextualität, Metamedialität, Translation, Umschrift oder Umkodierung von Text- und Bildformaten können als Medienprothetik aufgefasst werden: Wenn Marshall McLuhan Medien grundsätzlich als extensions of man versteht, so beinhaltet dies die zunehmende Ausweitung körperlicher oder medialer Begrenztheit mittels technologischer Innovationen. Als derart verstandene Prothesen können Medien Defizite indes nicht nur kompensieren, es kann auch zu Widerständen gegen die mediale Übertragung kommen. Die Beiträge dieses Bandes beleuchten den kulturkritischen Hintergrund der McLuhanschen Medientheorie (Freuds Prothesenlogik), und in zahlreichen Fallstudien loten sie die Bandbreite der medialen Kollisionsmöglichkeiten an Beispielen aus Literatur, Comic, Film, bildender Kunst, Fotografie, Musik, Theater und Internet aus.
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Medienreflexionen

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1. Medienprothesen

Marshall McLuhan versteht Medien grundsätzlich als ‚extensions of man‘ – so der Untertitel seiner prominenten Reflexionen Understanding Media1 von 1964. Hinter dieser Auffassung steckt eine Programmatik, der zufolge sich die körperliche oder mediale Begrenztheit mittels technologischer Innovationen immer weiter auflösen lässt resp. ließ. Hiervon zeugen medienhistorisch etwa bereits die buchstäblichen Ausweitungen in der von McLuhan 1962 analysierten „Gutenberg Galaxy“2 wie die elektronischen Expansionen im 1968 konstatierten „Global Village“.3 Grundsätzlich changiert das Prothetische zwischen zwei Funktionen. Zum einen dient es dazu, etwas Fehlendes zu ersetzen, was im deutschen (Alltags)Sprachgebrauch von ‚Prothese‘ mitklingt. Zum anderen wird etwas hinzugefügt, was das englische ‚prosthesis‘4 im Gegensatz zu ‚artificial limb‘ (künstliches Glied) anzeigt. In beiden Fällen können Mängel, Verluste, Abwesendes oder auch das Streben nach einer Verbesserung, Ganzheit, Einheit resp. Harmonie das Anlegen oder die Verwendung von Prothesen begründen.

Die ambige Logik der Prothese wird bereits in Sigmund Freuds Rede vom „Prothesengott“ deutlich, dessen Substitutionslogik Jörn Glasenapp im vorliegenden Band detailliert darlegt. Nichtsdestotrotz seien einige wenige erhellende Aspekte bereits an dieser Stelle genannt. In Das Unbehagen in der Kultur5 von 1929f. merkt Freud, übrigens selbst Träger einer Kiefernprothese, gleichfalls disjunktiv an: „Mit all seinen Werkzeugen vervollkommnet der Mensch seine Organe – die motorischen wie die sensorischen – oder räumt die ← 7 | 8 → Schranken für ihre Leistung weg.“6 Zu den später als Prothesen bezeichneten Werkzeugen zählt Freud unter...

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