Show Less
Restricted access

Medienkollisionen und Medienprothesen

Literatur – Comic – Film – Kunst – Fotografie – Musik – Theater – Internet

Series:

Edited By Gudrun Heidemann and Susanne Kaul

Mediale Bezugnahmen wie Intertextualität, Metamedialität, Translation, Umschrift oder Umkodierung von Text- und Bildformaten können als Medienprothetik aufgefasst werden: Wenn Marshall McLuhan Medien grundsätzlich als extensions of man versteht, so beinhaltet dies die zunehmende Ausweitung körperlicher oder medialer Begrenztheit mittels technologischer Innovationen. Als derart verstandene Prothesen können Medien Defizite indes nicht nur kompensieren, es kann auch zu Widerständen gegen die mediale Übertragung kommen. Die Beiträge dieses Bandes beleuchten den kulturkritischen Hintergrund der McLuhanschen Medientheorie (Freuds Prothesenlogik), und in zahlreichen Fallstudien loten sie die Bandbreite der medialen Kollisionsmöglichkeiten an Beispielen aus Literatur, Comic, Film, bildender Kunst, Fotografie, Musik, Theater und Internet aus.
Show Summary Details
Restricted access

Das postdramatische Theater und seine Prothesen.

Extract

Artur Pełka

Das postdramatische Theater und seine Prothesen

In seiner essentiellsten Form kommt das Theater ohne jegliche Prothesen aus: Als ein strikt korporales Medium konstituiert sich eine Theateraufführung bereits durch die Interaktion von zwei Menschen, von denen der eine seine Rolle spielt, während der andere ihm aktiv zuschaut. Erika Fischer-Lichte bringt diese theatrale Körperautarkie wie folgt zum Ausdruck: „Theater braucht für seine Inszenierungen weder besondere Materialien noch besondere Zeichensysteme. Der menschliche Körper und vielleicht noch einzelne Objekte aus seiner Umgebung sind alles, dessen es bedarf, um eine theatrale Inszenierung hervorzubringen.“1 Indessen, schaut man sich die Theatergeschichte mit einem prothetischen Blick an, fällt deutlich auf, dass sich das Theater als Körperkunst schon immer mannigfaltiger Prothesen bediente, und zwar weniger als Ersatz von fehlenden Körperteilen, denn als deren Optimierung. Künstliche Phalli, Onkos-Masken2 oder auch Kothurne im antiken Theater sind eindrückliche Beispiele dieser Substitution als Erweiterung des Schauspielkörpers zwecks Intensivierung des Erlebnis- und Erkenntnisvermögens beim Zuschauenden. ← 183 | 184 →

Abb. 1: Römische Elfenbeinstatuette eines Schauspielers mit Kothurnen und einer Onkos-Maske3



You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.