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Medienkollisionen und Medienprothesen

Literatur – Comic – Film – Kunst – Fotografie – Musik – Theater – Internet

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Edited By Gudrun Heidemann and Susanne Kaul

Mediale Bezugnahmen wie Intertextualität, Metamedialität, Translation, Umschrift oder Umkodierung von Text- und Bildformaten können als Medienprothetik aufgefasst werden: Wenn Marshall McLuhan Medien grundsätzlich als extensions of man versteht, so beinhaltet dies die zunehmende Ausweitung körperlicher oder medialer Begrenztheit mittels technologischer Innovationen. Als derart verstandene Prothesen können Medien Defizite indes nicht nur kompensieren, es kann auch zu Widerständen gegen die mediale Übertragung kommen. Die Beiträge dieses Bandes beleuchten den kulturkritischen Hintergrund der McLuhanschen Medientheorie (Freuds Prothesenlogik), und in zahlreichen Fallstudien loten sie die Bandbreite der medialen Kollisionsmöglichkeiten an Beispielen aus Literatur, Comic, Film, bildender Kunst, Fotografie, Musik, Theater und Internet aus.
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Literaturen in der zeitgenössischen Kunst. Robert Musil & Andreas Gursky, Franz Kafka & Jeff Wall, Walter Benjamin & Joseph Kosuth

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1. Einführung: Bild und Literatur performativ gewendet

Der vorliegende Beitrag untersucht die Medienkollision von Bild und Text am Beispiel von drei künstlerischen Strategien aus dem Feld der Gegenwartskunst, die auf sehr unterschiedliche Weise mit literarischen Werken operieren und experimentieren. Ausgegangen wird von der These, dass die drei bearbeiteten Werke von Andreas Gursky, Jeff Wall und Joseph Kosuth Performativität kalkuliert einsetzen und Strategien verwenden, die einer Identifizierung von ‚Zeichen‘ mit ‚Repräsentationen‘ diametral entgegenstehen. Die folgenden Ausführungen zu Geschichte und Konzepten des Performativen bilden die Basis dafür, die hier vorgestellten Formen von Medienkollisionen performativ zu denken.

Als kleinsten gemeinsamen Nenner in den zahlreichen unterschiedlichen Positionen zur Performativität bestimmt Sybille Krämer die „kritische Einstellung gegenüber der Idee der Repräsentation, genauer: gegenüber der Identifizierung von ‚Zeichen‘ mit ‚Repräsentationen‘“.1 Ein kurzer Rückblick: In seinen Vorlesungen – posthum erschienen unter dem Titel How to Do Things with Words2 – führte John L. Austin den Begriff ‚performativ‘ ein, um die Realität als eine von Wörtern bzw. Sprache hervorgebrachte vorzustellen. John R. Searle hat diese Überlegungen als ‚Sprechakttheorie‘ systematisiert und weitergeführt. Das folgende Zitat kann ← 209 | 210 → einen Eindruck davon geben, wie deren sprachtheoretische Ansätze das Verständnis von Sprache und Sprechen grundlegend verändert haben:

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