Show Less
Restricted access

Medienkollisionen und Medienprothesen

Literatur – Comic – Film – Kunst – Fotografie – Musik – Theater – Internet

Series:

Edited By Gudrun Heidemann and Susanne Kaul

Mediale Bezugnahmen wie Intertextualität, Metamedialität, Translation, Umschrift oder Umkodierung von Text- und Bildformaten können als Medienprothetik aufgefasst werden: Wenn Marshall McLuhan Medien grundsätzlich als extensions of man versteht, so beinhaltet dies die zunehmende Ausweitung körperlicher oder medialer Begrenztheit mittels technologischer Innovationen. Als derart verstandene Prothesen können Medien Defizite indes nicht nur kompensieren, es kann auch zu Widerständen gegen die mediale Übertragung kommen. Die Beiträge dieses Bandes beleuchten den kulturkritischen Hintergrund der McLuhanschen Medientheorie (Freuds Prothesenlogik), und in zahlreichen Fallstudien loten sie die Bandbreite der medialen Kollisionsmöglichkeiten an Beispielen aus Literatur, Comic, Film, bildender Kunst, Fotografie, Musik, Theater und Internet aus.
Show Summary Details
Restricted access

Freuds Kriegsgott. Prothetik im Zeichen des Todestriebes

Extract

Jörn Glasenapp

Freuds Kriegsgott.Prothetik im Zeichen des Todestriebes

1. Vor McLuhan

Was seit nunmehr einigen Jahren immer häufiger angemerkt wird – nämlich, dass es mit Marshall McLuhans gedanklicher Originalität so weit her denn doch nicht gewesen sei, hat dieser selbst wiederholt eingeräumt. „Das meiste, was ich zu sagen habe, ist aus zweiter Hand“,1 gab er beispielsweise 1967 in einem Interview zu Protokoll, zu einer Zeit also, in der sein Stern noch aufs Hellste leuchtete und man ihn als mit prophetischen Gaben gesegneten Vordenker in Sachen Medien feierte. Ob er davon ausging, dass man ihm das freimütige Geständnis hinsichtlich seiner Epigonalität ohnehin nicht abnehmen, es vielmehr als falsche Bescheidenheit auslegen werde? Möglicherweise. Fakt ist aber jedenfalls, dass er mit seinen Worten der Wahrheit durchaus sehr nahe kam. Ebendies lässt sich nicht zuletzt mit Blick auf eine der populärsten seiner Behauptungen belegen, und zwar jener, die besagt, dass wir es bei Techniken jedweder Couleur mit Körperausweitungen bzw., wie es der Untertitel von Understanding Media (1964) formuliert, „extensions of man“ zu tun haben, die den menschlichen Handlungs-, Wahrnehmungs- und Erkenntnisspielraum ausdehnen, das heißt die Körperfunktionen erheblich effizienter erfüllen.2 Nichts anderes hatte bereits ein knappes Jahrhundert zuvor Ralph Waldo ← 21 | 22 → Emerson zu bedenken gegeben, in dessen Spätwerk Society and Solitude (1870) es nach einem flüchtigen Rekurs auf Aristoteles’ Rede von der Hand als Werkzeug der Werkzeuge wie folgt heißt:...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.