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Medienkollisionen und Medienprothesen

Literatur – Comic – Film – Kunst – Fotografie – Musik – Theater – Internet

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Edited By Gudrun Heidemann and Susanne Kaul

Mediale Bezugnahmen wie Intertextualität, Metamedialität, Translation, Umschrift oder Umkodierung von Text- und Bildformaten können als Medienprothetik aufgefasst werden: Wenn Marshall McLuhan Medien grundsätzlich als extensions of man versteht, so beinhaltet dies die zunehmende Ausweitung körperlicher oder medialer Begrenztheit mittels technologischer Innovationen. Als derart verstandene Prothesen können Medien Defizite indes nicht nur kompensieren, es kann auch zu Widerständen gegen die mediale Übertragung kommen. Die Beiträge dieses Bandes beleuchten den kulturkritischen Hintergrund der McLuhanschen Medientheorie (Freuds Prothesenlogik), und in zahlreichen Fallstudien loten sie die Bandbreite der medialen Kollisionsmöglichkeiten an Beispielen aus Literatur, Comic, Film, bildender Kunst, Fotografie, Musik, Theater und Internet aus.
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„[D]ie Wunderbarkeiten hörten auf, das Wunder nahm zu.“ Die naturwissenschaftliche Lesbarkeit der Welt als mediale Sinnkonstitution im Werk Adalbert Stifters.

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Marta Famula

„[D]ie Wunderbarkeiten hörten auf, das Wunder nahm zu.“ Die naturwissenschaftliche Lesbarkeit der Welt als mediale Sinnkonstitution im Werk Adalbert Stifters

In seinem 1979 erschienenen Werk Die Lesbarkeit der Welt stellt Hans Blumenberg die Metapher einer als Buch lesbaren Welt als konstitutive Größe im abendländischen Denken heraus.1 Dieses Sinnverlangen an die Realität ist vor allem im Hinblick auf die geistige Verortung der individuellen Existenz auch über das voraufklärerische, dem anthropozentrischen Weltbild verpflichtete Denken hinaus von bedeutender Relevanz:

Die Lesbarkeitsmetapher ist in der Aufklärung Leitfaden für die Geschichte der ständigen Unterwanderung einer sich als unbestechlich befindenden Vernunft durch die heimlichen Wünsche, die Welt möge mehr Bedeutung für den Menschen haben und ihm mehr zeigen, als vernünftigerweise von ihr erwartet werden darf. Das Sinnverlangen, rational des Feldes verwiesen, schafft sich Zugänge, ist listiger als die sich selbst zur List ernennende Vernunft.2

Die Buchmetapher impliziert einen grundsätzlich interpretatorischen Charakter der Wahrnehmung, für den einerseits die Dimension des Imaginären, andererseits der mediale Charakter der als lesbar gedachten – also grundsätzlich dem ← 39 | 40 → Zeichencharakter verpflichteten – Welt von konstitutiver Bedeutung ist.3 Die lesbare Welt bedeutet in erster Linie eine Welt, die Fragen des wahrnehmenden Ich zu beantworten vermag. Die mediale Qualität des lesbaren Welttextes speist sich mithin aus dessen Verweischarakter, der über sich selbst hinaus als Zeichen Bedeutung und letztlich Sinn zu konstituieren vermag.

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