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Medienkollisionen und Medienprothesen

Literatur – Comic – Film – Kunst – Fotografie – Musik – Theater – Internet

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Edited By Gudrun Heidemann and Susanne Kaul

Mediale Bezugnahmen wie Intertextualität, Metamedialität, Translation, Umschrift oder Umkodierung von Text- und Bildformaten können als Medienprothetik aufgefasst werden: Wenn Marshall McLuhan Medien grundsätzlich als extensions of man versteht, so beinhaltet dies die zunehmende Ausweitung körperlicher oder medialer Begrenztheit mittels technologischer Innovationen. Als derart verstandene Prothesen können Medien Defizite indes nicht nur kompensieren, es kann auch zu Widerständen gegen die mediale Übertragung kommen. Die Beiträge dieses Bandes beleuchten den kulturkritischen Hintergrund der McLuhanschen Medientheorie (Freuds Prothesenlogik), und in zahlreichen Fallstudien loten sie die Bandbreite der medialen Kollisionsmöglichkeiten an Beispielen aus Literatur, Comic, Film, bildender Kunst, Fotografie, Musik, Theater und Internet aus.
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Die Diffusion der Medien in Cees Nootebooms Allerseelen

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In Nootebooms Nachwenderoman Allerseelen1 diffundieren die verschiedensten Medien in einem Text, der in diesen Verschlingungen der Medialitäten um eine wiederum mediale Eigenschaft kreist: die von Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit. Text, Film, Musik und Foto diskutieren Störungen von Sichtbarkeit als Verhinderung von klarem Erkennen und unzweifelhaftem Identifizieren von Dingen. Sichtbar wird aber dabei, wie viel Verborgenes die Unsichtbarkeit zu erkennen geben kann, wenn man versucht, nicht etwa sie zu durchdringen, sondern ihre besonderen verbergenden Eigenschaften einerseits zu beschreiben und andererseits im Text selbst performativ herzustellen.

Cees Nooteboom diskutiert diese Eigenschaften, sichtbar zu sein, unsichtbar zu sein, anhand verschiedener Medien, die sich gegenseitig durchdringen, zu kommentieren scheinen, aber dabei sich auch gegenseitig in ihren Eigenheiten verhindern und blockieren. Indem sie miteinander um die Aufmerksamkeit der Figuren und der Lesenden streiten, sind sie gleichzeitig vorhanden und verhalten sich dabei eben nicht synästhetisch, sondern stellen vielmehr ein unproblematisches Zusammenwirken der Sinne in Frage. Dabei stehen sie für die Verstörung eines Ich, das eine emotionale Zumutung verarbeiten muss, den Verlust aller geliebten ‚Objekte‘. Was ihm bleibt, sind Aufzeichnungsinstrumente, Medien, die Künste am Ausgang des 20. Jahrhunderts in einer minimalen Ästhetik, die dem Trauerprozess des Ich Kontur geben, ihn performativ veranschaulichen. Die medialen Zeichenwelten nehmen kaum Bezug zueinander, sie bleiben aber auch nicht getrennt voneinander, sondern ballen sich in ihrer Eindrücklichkeit in einem Konglomerat zusammen, das dem Individuum Rätsel aufgibt, von ihm aber zugleich auch ← 87 | 88 → rätselhaft inszeniert wird. Dieses Rätselhafte, herr...

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