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Ulrich Holbein

Sein Werk zwischen Avantgarde und Archivierung

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Nikolas Buck

Das Buch befasst sich mit Ulrich Holbeins äußerst facettenreichem Werk, das neben genuin literarischen Texten auch Essays, zahlreiche Feuilletonbeiträge und Hörspiele beinhaltet. Kennzeichnend für das Œuvre ist die Anwendung avantgardistischer Verfahren bei gleichzeitiger kontinuierlicher Auseinandersetzung mit der literarischen und philosophischen Tradition. Der Band schließt an die allmählich einsetzende wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Werk des Autors an. Er versammelt sowohl Einzelanalysen seiner bedeutendsten Texte als auch Beiträge zu übergreifenden Fragestellungen wie etwa der ihm eigenen Form der Autorinszenierung oder seiner Publikationspraxis. Ein Verzeichnis sämtlicher Publikationen sowie eine literarische Collage von Selbstzeugnissen des Autors runden das Buch ab.
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Erst übertreiben, dann langsam steigern!

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Verehrtes Königspaar, liebe Prinzessinnen, hoch geschätzter Ulrich Holbein, Exzellenzen, Festversammlung, Damen und Herren!

Zum Lobgesang auf den Preisträger kommen wir gleich, doch vorab möchte ich die noble Akademie für ihren unerwarteten Mut preisen, einen Dichter auszuzeichnen, bei dem außer seinem eklatanten Genie eigentlich nichts dafür spricht, ihn mit Ehrungen zu überhäufen, seine Brust mit Medaillen zu behängen, ihn sogar als der Welt höchstrangigen Dichter zu zertifizieren. Im Grunde spricht alles gegen diese von Ihnen verantwortete Wahl, nicht nur die mitunter ins Dubiose kippenden Usancen vergangener Preisvergaben dieser Kategorie, sondern allein schon das Äußere des Geehrten. Wenn man ihn auf einem seiner Umwege in eine merkwürdige Richtung entschwinden sieht, will oft der Eindruck nicht weichen: Ulrich Holbein von hinten sieht aus wie der Schinderhannes von vorne, ganz gleich, wie viel Lorbeer sein fisseliges Haupthaar umkränzt.

Hinzu kommt ein eher nicht preisverdächtiger, sein Wesen durchpulsender Grundton, eine ins Transzendente ragende Wirklichkeitsverarbeitungscharakteristik, als welche wir seinen an allem und jedem herummäkelnden Missmut erkennen. Obwohl dessen Urquell ein grundgütiger ist – dazu später mehr, sehr viel mehr –, werden die Macht dieses Missmuts früher oder später all jene zu spüren bekommen, die ihm entweder wohl oder übel gesonnen sind, somit wahrscheinlich auch Sie, verehrte Kronen- und Würdenträger, Literaturpäpste und Jurymitglieder, die Sie ihm diesen Preis nun einmal zuerkannt haben.

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