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Die Ursulinenschule in Koblenz 1902–1950

Mädchen- und Frauenbildung in schwierigen Zeiten

Rudolf Feld

Die Arbeit untersucht Voraussetzungen, Ziele und Ausprägungen der Mädchen- und Frauenbildung an einer katholischen Ordensschule und widmet sich dem Bedingungsgeflecht innerhalb von Kirche, Staat und Gesellschaft in durchgehend – wenn auch unterschiedlich ausgeprägten – schwierigen Zeiten. Im Kern steht die Beschäftigung mit dem schulischen Geschehen. Der Verfasser geht der Frage nach, was die Schülerinnen lernten, welchen Erziehungsprinzipien sie begegneten und welchen außerschulischen Bedingungen sie unterworfen waren. Die an der Schule erworbenen intellektuellen und sozialen Kompetenzen bildeten die Grundlagen einer differenzierten Mädchen- und Frauenbildung, die Tradition und Fortschritt gleichermaßen umfasste und Wege in die Selbständigkeit eröffnete. Die Arbeit fußt vornehmlich auf ungedruckten Quellen aus privaten und öffentlichen Archiven. Sie stützt sich auf eine in die Breite und Tiefe gehende Literatur.
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3. Die Schule in der Weimarer Republik 1919–1933

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3.1 Vorbemerkung

Die Lage im Deutschen Reich war in den Jahren 1918 und 1919 gekennzeichnet vom Zusammenbruch der Monarchie und dem mühsamen Beginn der Republik. Chaos und Gewalt begleiteten das politische und gesellschaftliche Geschehen nicht nur dieser beiden Jahre, sondern setzten sich in der folgenden Zeit fort. Die Probleme waren zahlreich und schier erdrückend.

Sie sollen hier genannt sein, weil sie allesamt die Schulgeschichte der nächsten Jahre in unterschiedlicher Stärke berühren. Der Kaiser war im Exil, er fehlte vielen Deutschen, gewiss nicht den meisten, aber doch einer erheblichen Minderheit. Der Adel verlor seinen gesellschaftlichen und politischen Einfluss, nicht ganz, aber weitgehend; das Militär wurde aus dem Zentrum des Staates an den Rand gedrängt, blieb aber einflussreich und spielte als „Staat im Staate“ eine zwielichtige Rolle. Die Gesellschaft hatte es mit einer starken und intransigenten Rechten und einer Linken, die ihrerseits heftig zerstritten war und einen politischen Weg in Revolution oder Reform suchte, zu schaffen. Die Wirtschaft lag am Boden. Die Kriegschuldfrage blieb umstritten, die Friedenschlüsse von Versailles und St. Germain wurden in Deutschland allenthalben als ungerecht, demütigend und schmachvoll empfunden. Die Nichtbeteiligung deutscher Unterhändler an den Friedensverhandlungen, die Landabtretungen, die exorbitanten Reparationsleistungen, die Zerschlagung des Heeres und der Marine, der Verlust der Kolonien, all dies gab Anlass zu heftiger Kritik. „Schmachfriede“ und „Diktatfriede“ waren die bald kursierenden Begriffe. Die Rechte rettete sich in die Dolchstoßlegende, der zufolge das im Felde unbesiegte Heer von...

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