Show Less
Restricted access

Grenzüberschreitende Kindesentführung

Zum Zusammenspiel des Haager Kindesentführungsübereinkommens mit der Verordnung (EG) Nr. 2201/2003 und dem Haager Kinderschutzübereinkommen

Series:

Julia Eppler

Grenzüberschreitende Kindesentführung wirft komplexe Rechtsfragen auf, in denen sowohl Regelungen der Europäischen Union als auch völkerrechtliche Verträge eine Rolle spielen. Die Autorin geht diesen Fragen nach und bietet Lösungsvorschläge an. Dabei untersucht sie das Zusammenspiel der Verordnung (EG) Nr. 2201/2003 (Brüssel IIa) und des Haager Kinderschutzübereinkommens (KSÜ) mit dem Haager Kindesentführungsübereinkommen (HKÜ) mit Fokus auf dem Kindeswohl. Besondere Aktualität erhält das Buch durch bevorstehende Pläne der EU zur Reform der Brüssel-IIa-Verordnung.
Show Summary Details
Restricted access

1. Teil. Grundlagen des grenzüberschreitenden Kindesentführungsrechts

Extract



A. Rechtshistorische Regelungen und ihre Defizite

I. Vormundschaftsabkommen von 1902

In ihrer „ersten Blütephase“47 vor dem Ersten Weltkrieg erarbeitete die Haager Konferenz diverse Familienrechtsabkommen einschließlich des Abkommens48 zur Regelung der Vormundschaft über Minderjährige vom 12.6.1902. Hauptanknüpfungspunkt des damaligen, vom Nationalgefühl geprägten Europa, in dem Ehen mit Auslandsbezug noch selten und ggf. in höheren sozialen Schichten vorkamen, war das Staatsangehörigkeitsprinzip und auch das VormAbk galt nur für Kinder mit Staatsangehörigkeit eines Vertragsstaats. Die mangelnde Sachnähe zum betroffenen Kind und zu dessen Umfeld erschwerte den zuständigen Heimatbehörden jedoch in der praktischen Anwendung die für die Entscheidung des Falles erforderlichen Ermittlungen, eine Problematik, die sich im Laufe des 20. Jahrhunderts mit der zunehmenden internationalen Verflechtung, z. B. durch Flüchtlingsströme und Arbeitnehmerfreizügigkeit, insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg verstärkte. Auch der damit einhergehenden Wandlung im Bereich der Sachrechte, Verfall des Nationalstaats und Integration der Common-Law-Staaten, war das VormAbk nicht gewachsen, und es gewann das sachnähere Aufenthaltsprinzip gegenüber der Staatsangehörigkeitsanknüpfung an Bedeutung.49 Daneben war das VormAbk auch nicht in der Lage, mit der innerstaatlichen Weiterentwicklung des Jugendschutzes Stand zu halten, denn sein sachlicher Anwendungsbereich beschränkte sich auf das Rechtsinstitut der Vormundschaft im engeren Sinn; Fürsorgefälle wie etwa Pflegschaften, Beistandschaften, Sorgerechtsregelungen, insbesondere bei Trennung und Scheidung der Eltern, waren nicht erfasst. Die moderne Fürsorgeerziehung aber ← 41 | 42 → rückte während des 20. Jahrhunderts...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.