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Beiträge zu einer Galizienliteratur

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Alois Woldan

Die Aufsätze in diesem Band behandeln Aspekte des literarischen Lebens in Galizien vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Sie basieren zum großen Teil auf vergleichenden Untersuchungen, die polnische, ukrainische und deutschsprachige Texte mitberücksichtigen. So können sowohl allgemeine und theoretische Aspekte wie Identität, Mehrsprachigkeit oder Gedächtnisorte als auch Themenkomplexe aus dem Raum Galizien (Huzulen, Erdölthematik, Stadttext von Lemberg) erörtert werden. Dazu kommen Studien zu einzelnen polnischen und ukrainischen Autoren wie Ivan Franko, Jerzy Harasymowicz, Andrzej Kuśniewicz, Andrzej Stasiuk, Andrzej Stojowski und Jurij Andruchovyč, die im galizischen Kontext verortet werden.
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Grenzdialoge in den Literaturen Galiziens

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Galizien, ein aus der Ersten Teilung Polens 1772 hervorgegangenes Gebilde, hat schon zu politischen Grenzen ein spezifisches Verhältnis1. Mit der Annektierung durch Österreich wurde zwar im Westen eine politische Grenze beseitigt, im Osten, nach dem Zarenreich hin, aber eine neue geschaffen. Mit dem Zerfall des Habsburgerreichs und der Wiedererstehung Polens im November 1918 entstanden neue Grenzen im Süden und Westen und wurde zugleich die Grenze im Norden aufgehoben. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die alte Ostgrenze weit nach Westen verschoben, was zu einer Teilung des habsburgischen Galizien führte: in einen polnischen Teil, der bis nach Przemyśl reichte, und einen sowjetisch-ukrainischen Teil östlich davon, der im Osten von keiner weiteren Grenze abgeschlossen wurde; beide Teile befanden sich aber im alten Ostblock, der von der Sowjetunion dominierten Hemisphäre Europas. In den Jahren nach 1989 bzw. 1991 kam es zu einer deutlichen Annäherung dieser galizischen Hälften, weniger im politischen Sinn als auf einer Ebene des Dialogs und der kulturellen Zusammenarbeit. Diese Art von Grenzüberschreitung leitet auch zum eigentlichen Thema der folgenden Überlegungen über. Zuvor aber ist noch festzuhalten, dass die Festlegung der EU-Außengrenze an der alten polnisch-sowjetischen Grenze die Teilung Galiziens auch für die nächste Zukunft festschreibt, dass aber die Besinnung auf die kulturellen Gemeinsamkeiten ein starkes Argument gegen die Verfestigung einer solchen politisch-pragmatischen Grenze darstellt.

Der Zusammenhang zwischen Mehrsprachigkeit und Sprachgrenzen braucht nicht besonders herausgearbeitet zu werden, denn immer dann bzw. dort, wo man sich...

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