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Beiträge zu einer Galizienliteratur

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Alois Woldan

Die Aufsätze in diesem Band behandeln Aspekte des literarischen Lebens in Galizien vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Sie basieren zum großen Teil auf vergleichenden Untersuchungen, die polnische, ukrainische und deutschsprachige Texte mitberücksichtigen. So können sowohl allgemeine und theoretische Aspekte wie Identität, Mehrsprachigkeit oder Gedächtnisorte als auch Themenkomplexe aus dem Raum Galizien (Huzulen, Erdölthematik, Stadttext von Lemberg) erörtert werden. Dazu kommen Studien zu einzelnen polnischen und ukrainischen Autoren wie Ivan Franko, Jerzy Harasymowicz, Andrzej Kuśniewicz, Andrzej Stasiuk, Andrzej Stojowski und Jurij Andruchovyč, die im galizischen Kontext verortet werden.
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Zur Jazyčije-Dichtung der österreichischen Ruthenen

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Das Jahr 1848 war auch für Galizien wie für so viele Länder und Staaten Europas von entscheidender Bedeutung: im Völkerfrühling versuchten die beiden großen ethnischen Gruppen Galiziens, die Polen und die Ukrainer (in der österreichischen Terminologie: die Ruthenen) ein Mehr an nationaler Selbstbestimmung und Unabhängigkeit von der Wiener Zentralverwaltung zu erreichen, wenngleich auf verschiedene Art und Weise und – ungeachtet eines gleichen Anliegens – nicht mit-, sondern gegeneinander. Die Märzrevolution in Wien und Budapest griff auf die Städte Krakau und Lemberg über, wo die polnische Bevölkerungsmehrheit mit einer spontan gebildeten „Nationalgarde“ („Gwardia Narodowa“) die Exekutive an sich brachte und mit dem „Nationalrat“ („Rada Narodowa“) eine Art Legislative bildete1; die ukrainische Bevölkerung Ostgaliziens formierte demgegenüber den „Ruthenischen Hauptrat“ („Holovna Rada“), der seinerseits eine bewaffnete Einheit aufstellte2. Beide Körperschaften schickten ihre Forderungen nach Wien, wo diese zum Teil zugestanden, durch den weiteren Verlauf der Ereignisse aber nie eingelöst wurden. Eine der wichtigsten Forderungen der „Holovna Rada“ bestand in der Teilung Galiziens in eine westliche, polnische und eine östliche, ukrainische Hälfte mit der Hauptstadt L’viv. Dieses neue Kronland sollte die Garantie dafür bieten, dass sich die Ukrainer endlich von der polnischen Bevormundung befreien und ihre eigene Sprache, Kultur und nationale Interessen entwickeln könnten. Die im Oktober 1848 tagende „Versammlung Ruthenischer Gelehrter“ („Sobor rus’kych učenych“) hatte u. a. auch ein bildungspolitisches Programm für diese erhoffte Eigenständigkeit entwickelt. Es kam bekanntlich anders – im Herbst, der...

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