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Beiträge zu einer Galizienliteratur

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Alois Woldan

Die Aufsätze in diesem Band behandeln Aspekte des literarischen Lebens in Galizien vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Sie basieren zum großen Teil auf vergleichenden Untersuchungen, die polnische, ukrainische und deutschsprachige Texte mitberücksichtigen. So können sowohl allgemeine und theoretische Aspekte wie Identität, Mehrsprachigkeit oder Gedächtnisorte als auch Themenkomplexe aus dem Raum Galizien (Huzulen, Erdölthematik, Stadttext von Lemberg) erörtert werden. Dazu kommen Studien zu einzelnen polnischen und ukrainischen Autoren wie Ivan Franko, Jerzy Harasymowicz, Andrzej Kuśniewicz, Andrzej Stasiuk, Andrzej Stojowski und Jurij Andruchovyč, die im galizischen Kontext verortet werden.
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Der Stadttext von Lemberg/Lwów/L’viv/Leopolis als Beispiel einer regionalen Identität

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Schon der Name dieser Stadt, die immer wieder Gegenstand literarischer Beschreibung gewesen ist, weist auf ihre Zugehörigkeit zu mehreren Kulturkreisen, die sich in ganz Ostgalizien überschneiden: „L’viv“ verweist auf die ukrainische Komponente in der Geschichte dieser Stadt, „Lwów“ auf die polnische, „Lemberg“ auf die deutsche und später österreichische. In der griechisch-lateinischen Form „Leopolis“ schließlich könnte man einen Hinweis auf die Zugehörigkeit dieser Stadt zur übernationalen Kultur Mitteleuropas wie auch des byzantinischen Raums sehen. Diese Stadt war bekanntlich bis 1939 multinational und sie war ebenso multikulturell, sie verkörperte also eine Qualität, die wir gerade heute in der Zeit eines vereinten, aber mehr und mehr unifizierten Europas missen. Ein deutlicher Beweis für den multikulturellen Charakter dieser Stadt war ihr literarisches Leben, das Texte in verschiedenen Sprachen hervorbrachte, die heute von verschiedenen Nationalliteraturen beansprucht werden, die aber in ihrer Gesamtheit so etwas wie den „Stadttext“ von Leopolis ausmachen, auch wenn ein expliziter Roman dieser Stadt, wie ihn etwa Volker Klotz für Berlin am Beispiel von Döblins Berlin, Alexanderplatz beschreibt1, nicht gegeben ist.

Es verwundert nicht, dass dieser Stadttext im Rahmen des fast obligatorischen „laus urbis“, des Ruhms der Stadt aufgrund ihrer Schönheit, ihres Reichtums, sowie ihrer Buntheit und Vielfalt auch die Beschreibung von deren multiethnischer Bevölkerung beinhaltet. Die Heterogenität ihrer Einwohnerschaft ist ein ebenso konstanter, wie auch dominierender Zug im Stadttext, der nach zwei Seiten ausgelegt werden kann: im Sinne der Vorrangstellung einer Gruppe – derjenigen,...

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