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Beiträge zu einer Galizienliteratur

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Alois Woldan

Die Aufsätze in diesem Band behandeln Aspekte des literarischen Lebens in Galizien vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Sie basieren zum großen Teil auf vergleichenden Untersuchungen, die polnische, ukrainische und deutschsprachige Texte mitberücksichtigen. So können sowohl allgemeine und theoretische Aspekte wie Identität, Mehrsprachigkeit oder Gedächtnisorte als auch Themenkomplexe aus dem Raum Galizien (Huzulen, Erdölthematik, Stadttext von Lemberg) erörtert werden. Dazu kommen Studien zu einzelnen polnischen und ukrainischen Autoren wie Ivan Franko, Jerzy Harasymowicz, Andrzej Kuśniewicz, Andrzej Stasiuk, Andrzej Stojowski und Jurij Andruchovyč, die im galizischen Kontext verortet werden.
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Lemberg als Ort der Erinnerung in der polnischen und ukrainischen Literatur

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Seit Pierre Noras bahnbrechendem Werk zur Erinnerungskultur Frankreichs, „Les lieux de mémoire“ (1984–1992), ist der Begriff der „Gedächtnisorte“ zu einem geflügelten Ort im historischen und kulturwissenschaftlichen Diskurs geworden, der allmählich auch auf den Umgang mit dem historischen Gedächtnis in Ostmitteleuropa Anwendung findet, wenngleich die Zahl der Arbeiten dazu noch relativ gering ist1. Dabei sind vor allem jene „Orte“ von besonderem Interesse, die von zwei oder mehr unterschiedlichen nationalen Gedächtniskulturen beansprucht werden, weil der Ort selbst vom Mit- und Ineinander mehrerer Kulturen geprägt ist und dessen historisches Erbe sich „nicht trennscharf in nationale Bestandteile sortieren läßt“2. Die Stadt Lemberg, deren unterschiedliche Namen – griech./lat. „Leopolis“, dt. „Lemberg, poln. „Lwów“, russ. „L’vov“, ukr. „L’viv“ bereits auf deren multinationalen Charakter verweisen, ist ein solcher Erinnerungsort par excellence sowohl als Ganzes, wie auch als Reihe gesonderter Topoi, die heute vor allem vom polnischen und ukrainischen kollektiven Gedächtnis wahrgenommen werden. Dabei differieren sowohl die Bedeutungen, die der Stadt als ganzer zugeschrieben werden, wie auch die Auswahl der Orte in der Stadt, mit denen man spezifische Erinnerungen ← 151 | 152 → verbindet – es gibt Gedächtnisorte, die nur dem polnischen Lwów eigen sind, es gibt andere, die nur im Referenzrahmen des ukrainischen L’viv verständlich sind, es gibt schließlich solche, die in beiden Traditionen mit unterschiedlichen oder ähnlichen Konnotationen besetzt sind.

Unsere Untersuchung beschränkt sich zum einen auf diese beiden dominierenden und häufig miteinander konkurrierenden Erinnerungstraditionen, zum anderen auf...

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