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Beiträge zu einer Galizienliteratur

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Alois Woldan

Die Aufsätze in diesem Band behandeln Aspekte des literarischen Lebens in Galizien vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Sie basieren zum großen Teil auf vergleichenden Untersuchungen, die polnische, ukrainische und deutschsprachige Texte mitberücksichtigen. So können sowohl allgemeine und theoretische Aspekte wie Identität, Mehrsprachigkeit oder Gedächtnisorte als auch Themenkomplexe aus dem Raum Galizien (Huzulen, Erdölthematik, Stadttext von Lemberg) erörtert werden. Dazu kommen Studien zu einzelnen polnischen und ukrainischen Autoren wie Ivan Franko, Jerzy Harasymowicz, Andrzej Kuśniewicz, Andrzej Stasiuk, Andrzej Stojowski und Jurij Andruchovyč, die im galizischen Kontext verortet werden.
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Die „Hölle von Boryslav“ – Arbeiterelend in Galizien

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Die westukrainische Stadt Boryslaw gehört zu den Ortschaften der galizischen Karpaten, in denen vor 150 Jahren das europäische Erdölzeitalter begann. Wo einst Tausende von Bohrtürmen standen und Goldgräberstimmung herrschte, wird auch heute noch Erdöl gewonnen – allerdings weitgehend ohne die negativen Begleiterscheinungen von einst.

So beginnt Ulrich Schmid ein Feuilleton, das die Neue Zürcher Zeitung vom 11. Dezember 2007 unter der Rubrik „Internationales“ führt. Und er unternimmt mit dieser Reise im Raum, in die Westukraine bzw. die „galizischen Karpaten“ zugleich eine Reise in die Zeit – er vergleicht heute mit damals, einer Zeit, die schon mit dem beigefügten Foto – ein Bild streikender Arbeiter aus dem Jahr 1904 – evoziert wird. Bei dieser Reise in einen auch dem Leser der Neuen Zürcher Zeitung nicht sehr geläufigen Raum und in eine ebenso wenig bekannte historische Situation dienen literarische Gewährsleute als Reiseführer: Joseph Roth wird gleich zu Beginn zitiert (Boryslaw, im November aus seinem Brief aus Polen) und wenig später fällt auch der Name des Ukrainers Ivan Franko, der in seinen Texten das Arbeiterelend ebendort gegeißelt hatte. Man könnte diesen literarischen Gewährsleuten eine ganze Reihe anderer hinzufügen – Saul Rafael Landau, der 1898 Skizzen mit dem Titel Unter jüdischen Proletariern publiziert hatte, sowie Alfred Döblin mit Naphtharevier aus seinem Buch Reise in Polen (1926), um nur zwei Publikationen in deutscher Sprache zu erwähnen, von polnischsprachigen zunächst einmal ganz abgesehen.

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