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Beiträge zu einer Galizienliteratur

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Alois Woldan

Die Aufsätze in diesem Band behandeln Aspekte des literarischen Lebens in Galizien vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Sie basieren zum großen Teil auf vergleichenden Untersuchungen, die polnische, ukrainische und deutschsprachige Texte mitberücksichtigen. So können sowohl allgemeine und theoretische Aspekte wie Identität, Mehrsprachigkeit oder Gedächtnisorte als auch Themenkomplexe aus dem Raum Galizien (Huzulen, Erdölthematik, Stadttext von Lemberg) erörtert werden. Dazu kommen Studien zu einzelnen polnischen und ukrainischen Autoren wie Ivan Franko, Jerzy Harasymowicz, Andrzej Kuśniewicz, Andrzej Stasiuk, Andrzej Stojowski und Jurij Andruchovyč, die im galizischen Kontext verortet werden.
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Hermann Blumenthal im Kontext der polnischen und ukrainischen Literatur in Galizien

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Hermann J. Blumenthal, eig. Hersch Ber, 1880 in Bolechów geboren, 1942 von den Nazis ermordet, ist heute ein vergessener Autor – Wikipedia, die fast 50 bekannte Träger des Namens „Blumenthal“ nennt (darunter zwei „Hermanne“), kennt unseren Autor nicht, und auch in der Galizienliteratur muss Blumenthal auf seine Wiederentdeckung wohl noch einige Zeit warten. Lediglich die Fachlexika zur deutsch-jüdischen Literatur kennen ihn1, beschränken sich dabei aber auf jene seiner Werke, die explizit jüdischen Charakter haben2. Ich will auf jene Texte Blumenthals eingehen, die aufgrund einer anderen Thematik eine enge Verbindung zur galizischen Literatur in polnischer und ukrainischer Sprache aufweisen und Blumenthal als einen typischen Vertreter nicht so sehr einer bestimmten Zeit, als eines bestimmten Raumes ausweisen: jemand, der in Ostgalizien gegen Ende des 19. Jahrhunderts aufgewachsen ist (um dann nach Wien zu übersiedeln) und mit den literarischen, publizistischen, aber auch folkloristischen Traditionen dieses Raums bestens vertraut ist. Sein Werk lässt sich zum einen aus der schon erwähnten jüdischen Tradition – einer spezifisch galizisch-jüdischen – zum anderen aus dem nichtjüdischen Kontext verstehen, und stellt eine Synthese beider Richtungen, der jüdisch-galizischen wie auch der polnisch-ukrainisch-galizischen, dar. Damit unterscheidet sich Blumenthal auch von solchen jüdischen Autoren aus Galizien, die nur die jüdische Tradition gestalten.

1913 veröffentlichte Blumenthal in Berlin einen Roman mit dem Titel Der Weg zum Reichtum3, der den Segen, aber auch den Fluch jenes Reichtums ← 297 | 298 → thematisiert, der aus den Erdölquellen von Boryslav kommt. Wir...

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