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Beiträge zu einer Galizienliteratur

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Alois Woldan

Die Aufsätze in diesem Band behandeln Aspekte des literarischen Lebens in Galizien vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Sie basieren zum großen Teil auf vergleichenden Untersuchungen, die polnische, ukrainische und deutschsprachige Texte mitberücksichtigen. So können sowohl allgemeine und theoretische Aspekte wie Identität, Mehrsprachigkeit oder Gedächtnisorte als auch Themenkomplexe aus dem Raum Galizien (Huzulen, Erdölthematik, Stadttext von Lemberg) erörtert werden. Dazu kommen Studien zu einzelnen polnischen und ukrainischen Autoren wie Ivan Franko, Jerzy Harasymowicz, Andrzej Kuśniewicz, Andrzej Stasiuk, Andrzej Stojowski und Jurij Andruchovyč, die im galizischen Kontext verortet werden.
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Vom Erinnerungsmonolog zum Erinnerungsort – zu Andrzej Kuśniewiczs Mieszaniny obyczajowe

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Andrzej Kuśniewicz (1904–1993) ist ein galizischer Autor, nicht nur was seine Herkunft aus Ostgalizien – er wurde auf einem Gut in der Nähe von Sambor, heute Sambir in der Westukraine, geboren –, sondern auch, was sein Werk betrifft. In der polnischen Literatur nach dem Zweiten Weltkrieg steht es stellvertretend für die „Galizische Strömung“ der 1960–1980er Jahre, weil der Großteil seiner Romane im polnischen Galizien der Zwischenkriegszeit spielt und darüber hinaus auf die österreichische Vergangenheit dieses Gebiets zurückgreift.

Vor Jahren hatte Hans-Peter Hoelscher-Obermaier in seiner Dissertation zur „synkretistischen Romanpoetik“ von Andrzej Kuśniewicz, der bisher einzigen deutschsprachigen Monographie zum Werk dieses Autors, den vom amerikanischen Forscher Doritt Cohn stammenden Begriff des „Erinnerungsmonologs“ [„memory monologue“, 1978] auf die Romane von Kuśniewicz übertragen1. Diese Charakteristik steht im Dienst einer primär narratologisch orientierten Analyse; die Erzähltheorie stellt das zentrale methodische Instrument dar, mit dem man der Komplexität dieser Prosa gerecht werden will. Mehr als zwanzig Jahre später, nach einer „kulturellen“ wie auch einer „räumlichen“ Wende in der Literaturwissenschaft, bieten sich neue Lesarten an, von denen eine im folgenden anhand des relativ wenig beachteten Romans Mieszaniny obyczajowe2 [Melangen aus dem Alltag] gezeigt werden soll, wobei außer Zweifel steht, dass man auch damit nicht allen Aspekten des Textes gerecht werden kann.

Dabei soll von der seit geraumer Zeit populären Theorie der „Gedächtnisorte“ („lieux de mémoire“) ausgegangen werden, die von Pierre Nora bereits in...

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