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Beiträge zu einer Galizienliteratur

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Alois Woldan

Die Aufsätze in diesem Band behandeln Aspekte des literarischen Lebens in Galizien vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Sie basieren zum großen Teil auf vergleichenden Untersuchungen, die polnische, ukrainische und deutschsprachige Texte mitberücksichtigen. So können sowohl allgemeine und theoretische Aspekte wie Identität, Mehrsprachigkeit oder Gedächtnisorte als auch Themenkomplexe aus dem Raum Galizien (Huzulen, Erdölthematik, Stadttext von Lemberg) erörtert werden. Dazu kommen Studien zu einzelnen polnischen und ukrainischen Autoren wie Ivan Franko, Jerzy Harasymowicz, Andrzej Kuśniewicz, Andrzej Stasiuk, Andrzej Stojowski und Jurij Andruchovyč, die im galizischen Kontext verortet werden.
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Jerzy Harasymowicz – ein Dichter des Heiligen und der Beskiden

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Man wird Jerzy Harasymowicz (1933–1999) kaum als einen christlichen Dichter bezeichnen können, und auch eigenen Aussagen zufolge war der Zen-Buddhismus die einzige Religion, der er sich in gewisser Weise verpflichtet fühlte.1 Eher verbindet man mit seiner Lyrik die Vorstellung von individuell ausgerichteter Liebes- und Naturlyrik, vom Barden der Krakauer Vorstadt und vom Wanderer in den Karpaten. Seine Dichtung ist eine Dichtung des Gefühls, der Impressionen2 und subjektiven Erlebnisse, nicht aber des hohen intellektuellen Anspruchs und der philosophischen Reflexion,3 wie bei anderen prominenten Vertretern seiner Generation. Sie kennt kein politisches Engagement, brauchte nicht zwischen den Zeilen gelesen zu werden und eignete sich nicht zur Manifestation oppositionellen Gedankenguts. Während engagierte Dichter der 1980er Jahre häufig auf die Sprache der Bibel und der Religion zurückgriffen, um damit Kritik an den bestehenden Verhältnissen in der Volksrepublik Polen zu formulieren, brauchte Harasymowicz die Rede vom Heiligen für die Konstruktion seiner individuellen poetischen Welt, vor allem für die lyrische Beschreibung der von ihm geliebten Landschaft der Beskiden und Bieszczady, aber auch für seine Liebeslyrik.

Auch nach der Verhängung des Kriegszustands am 13. Dezember 1981 schrieb Harasymowicz weiterhin Gedichte, die auf die politische Realität überhaupt nicht eingingen, publizierte diese in den von anderen Autoren gemiedenen staatlichen Verlagen4 und zog sich damit die Ächtung der führenden literarischen ← 367 | 368 → Kreise zu. Er verbrachte die letzten zehn Jahre seines Lebens in Einsamkeit und Verbitterung – und ist heute vom Buchmarkt fast...

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