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Russische Rechtsgeschichte: Texte und Erläuterungen

Teil 2: Von 1613 bis 1682

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Günter Baranowski

Dieser Band beinhaltet Texte, die die russische Rechtsentwicklung zwischen der Wahl Michail Romanovs zum Zaren und Selbstherrscher und der Aufhebung der rückständigen Adelsrangplatzordnung charakterisieren. Diese relativ kurze Zeitspanne – durch viele Kriege, politisch-soziale Konflikte und kirchlich-religiöse Auseinandersetzungen geprägt – bringt ein reiches rechtliches Material hervor. Dieses bezieht sich vor allem auf den Ausbau und Schutz der Staats- und Gesellschaftsordnung, auf den Besitz und die Nutzung des Bodens in Form der Dienst- und Erbgüter, auf die Sicherung der notwendigen Arbeitskräfte sowie auf die Gestaltung von Handel und Gewerbe. Als Gesetzeswerke sind hierfür insbesondere das Sobornoe Uloženie von 1649 als zusammenfassendes Reichsgesetzbuch, das Neue Handelsstatut von 1667 und die Neuangewiesenen Artikel über Schwerverbrechen von 1669 repräsentativ, Dokumente, die auf der beiliegenden CD-ROM detailliert erläutert werden. Wie das Recht in den Handlungen und Entscheidungen der Bevölkerung lebendig ist, kann aus den zahlreichen Beilagen erschlossen werden.
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Schlussbemerkungen

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Was bleibt abschließend zu sagen? Zuerst, dass das russische Recht, wie es in seiner Entstehung und Entwicklung in den publizierten Texten seinen Ausdruck findet, vor allem als eine spezifische Widerspiegelung der sozialen und ökonomischen, politischen und geistig-kulturellen Gegebenheiten der Gesellschaft erscheint. Am, Anfang ließen, wie überall, die niedrige Stufe der Produktion, die geringe Ausprägung der produktiven Kräfte eine Erhebung des Individuums aus der blutsverwandtschaftlichen und territorialen Gemeinschaft nicht zu. An dieser Situation änderten die Ausformung von Adels- und Herrschermacht, die Entstehung erster öffentlicher Organe, die Zusammenstellung erster rechtlicher Orientierungen nicht viel. Die Bedingungen, die die Herausbildung der ostslavischen bzw. altrussischen Staats- und Rechtsordnung förderten, behielten für lange Zeit, länger als in einigen anderen Regionen, ihre Kraft bei. Die politische Macht kultivierte die Gemeinschaftlichkeit und stabilisierte damit die gesellschaftlichen Verhältnisse nach innen und außen.

Dies zeigt sich in den meisten Rechtstexten des gesamten Zeitraumes, von der Russkaja Pravda bis zum Sobornoe Uloženie und darüber hinaus, in solchen Zügen wie der Gesamthaftung bzw. Gesamtbürgschaft (krugovaja poruka) der Gemeinde, der volost’, des posad bei der Besteuerung; der (freilich sich abbauenden) Haftung einer territorialen oder verwandtschaftlichen Gemeinschaft für Rechtsverletzungen auf ihrem Gebiet bzw. eines ihrer Angehörigen; der großen Bedeutung der Familie im Zivilrecht, besonders im Erbrecht. Selbst in den öffentlichen Funktionen (Leiter –Untergebener) und in den privaten Verhältnissen (Herr – Bauer oder cholop, Meister – Arbeiter) findet man gegenseitige Bindungen und Fälle des Einstehenm...

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