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Literarische Schreibratgeber

Eine typologisierend-vergleichende Untersuchung

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Thomas Klupp

Literarische Schreibratgeber haben in Deutschland Hochkonjunktur. Seit den 1990er Jahren kommen alljährlich Dutzende neuer Titel auf den Markt, die ganz unterschiedliche poetologische Programme vertreten und teils von so bekannten Schriftstellern wie Hanns-Josef Ortheil, Ursula Krechel oder Elizabeth George verfasst wurden. In diesem Buch sichtet und ordnet der Autor erstmals die komplette Ratgeberproduktion in deutscher Sprache und entwickelt drei genretypische Modelle zur Förderung des literarischen Schreibens: das ergebnis-, das prozess- und das persönlichkeitsorientierte Modell. Indem die Ratgeber als populäre Erscheinungsformen der Kulturtechnik des Creative Writing vorstellt werden, werden zugleich die Strukturen einer umfassenden Professionalisierung der Schreibdidaktik im Deutschland der vergangenen Jahrzehnte sichtbar.
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V. Schlussbemerkung

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Nach der Darstellung des letzten der drei den Ratgebern zugrunde liegenden Schreibförderungsmodelle nähere ich mich dem Ende meiner Untersuchung. Einleitend habe ich dieselbe unter die Prämisse des Deskriptiven gestellt. Ich habe mich also auf eine wertneutrale Beschäftigung mit dem – von den Literaturwissenschaften weitestgehend ignorierten und von den Autoritäten des schreibdidaktischen Fachs vielfach diskreditieren – Genre der literarischen Schreibratgeber verpflichtet. Dieser Prämisse bleibe ich auch in meiner Schlussbemerkung treu. Eine wertende Gegenüberstellung des ergebnis-, des prozess- und des persönlichkeitsorientierten Ratgebertyps sowie grundsätzliche Spekulationen über ihren jeweiligen Nutzwert fallen dementsprechend aus. Vermerkt sei an dieser Stelle jedoch, dass die hierzulande literarisch renommiertesten Ratgeberautoren wie etwa Ursula Krechel, Hanns-Josef Ortheil oder Kurt Drawert in der Regel einen prozessorientierten Ansatz verfolgen. Zwar fließen in ihre Bücher hier und da auch ergebnis- und/ oder persönlichkeitsorientierte Elemente ein, ihr Fokus liegt aber klar auf dem Schreibakt bzw. den schreibpraktischen Hilfestellungen selbst. Demgegenüber lassen sich die zahlreichen Ratgeber, die von im literarischen Feld völlig unbekannten Personen verfasst und mitunter im Selbstverlag publiziert wurden, in aller Regel dem ergebnisorientierten Typ zurechnen. Offensichtlich nimmt der Glaube an die Sinnhaftigkeit eines an normative Regeln und vorgefertigte poetologische Prämissen gebundenen literaturdidaktischen Programms mit steigendem Grad an schriftstellerischer Erfahrung ab.393

← 159 | 160 → Auffällig in Bezug auf die einzelnen Ratgebertypen ist überdies, dass ihr Erscheinen und infolge auch ihre Verbreitung auf dem hiesigen Markt einer recht klaren zeitlichen Dramaturgie folgen. Wie einleitend dargestellt, zielen die ersten,...

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