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Die Kunstauffassung in Rilkes kunstkritischen Schriften

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Maria Endreva

Die Untersuchung rekonstruiert Rilkes Kunstansichten in seinen Monographien, Aufsätzen, Tagebüchern und Briefen. Gegenstand der Analyse sind die frühen Tagebücher und die Kunstmonographien Worpswede und Auguste Rodin sowie Teile aus seinem Briefwerk, insbesondere Die Briefe über Cézanne und Die Briefe an einen jungen Dichter. Zu Beginn wird die Hypothese aufgestellt, dass Rilkes Kunstansichten eine Kontinuität aufweisen, deren Kern in den drei von der Kritik bestimmten Schaffensperioden im Großen und Ganzen unverändert bleibt. Die Untersuchung macht die konzeptuellen Ähnlichkeiten zwischen Rilkes Kunstansichten und dem Antiperspektivismus in der bildenden Kunst deutlich und behandelt die Hauptelemente der Rilkeschen Kunstansichten Einsamkeit, Ding, Armut und Arbeit.
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Schluss

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festgehalten werden, dass die in den Aufsätzen und Tagebüchern aufgestellten Thesen über die Kunst während Rilkes ganzen Lebens mit kleinen Modifikationen beständig bleiben. Was die Dreiphasenteilung von Rilkes Schaffen anbetrifft, konnte festgestellt werden, dass die von der Kritik bestimmten Phasen nur unter Umständen akzeptiert werden können. Die Aussagen über eine grundsätzliche inhaltliche Wende in Rilkes Gesamtwerk konnten nicht bestätigt werden, denn die Untersuchung der ästhetischen Schriften zeigt, dass alles, was beim Dichter als „neu“ bezeichnet wurde, in seinen Schriften schon vorhanden war, nur nicht in Form von Dichtung, sondern als Äußerungen über andere Künstler. Das unterstützt die These, dass Rilke keine deutliche Entwicklung durchgemacht hat, sondern schon in einer ganz frühen ← 179 | 180 → Phase seinen Kunstbegriff inhaltlich festgelegt hat. Die vermeintlichen Wenden, die den Grund für die dreifache Teilung des Schaffens darstellen, sind eher eine Verfeinerung der Sprache und Vervollkommnung der Metaphorik und Stilistik, die der Kunstanschauung aus den kunstkritischen Werken gerecht werden sollten. Nur bei dieser Präzisierung kann die Dreiphasenteilung als eine Art Steigerung des dichterischen Könnens des Autors und nicht als eine konzeptionelle Wende in seinem Schaffen akzeptiert werden.

Rilke begrüßt wie fast alle seiner Zeitgenossen einerseits die Autonomie des Kunstwerkes und die abseitige Stellung des Autors, andererseits will er sich durch die sorgfältig organisierte metaliterarische Tätigkeit wie Briefwechsel und Tagebuchführung ins Zentrum des literarischen Feldes als origineller und höchstindividueller Autor positionieren. Seine Auffassung vom idealen...

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