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Wittgensteins «Bemerkungen über die Farben»

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Frederik Gierlinger

Ludwig Wittgensteins «Bemerkungen über die Farben» gelten als äußerst schwieriger Text. Das vorliegende Buch führt Schritt für Schritt an die Themen und Problemstellungen der Farbbemerkungen Wittgensteins heran und liefert umfangreiche Erläuterungen zu den wichtigsten Textpassagen. Dies ist bemerkenswert, weil das bruchstückhafte Textmaterial aus den beiden letzten Lebensjahren Wittgensteins eine klare Struktur vermissen lässt, die darin aufgeworfenen Fragen häufig befremdlich anmuten und größtenteils ohne Antwort bleiben. So ist es wenig verwunderlich, dass bis jetzt keine umfassende philosophische Studie zu den «Bemerkungen über die Farben» zur Verfügung steht. Das Buch von Frederik A. Gierlinger füllt erstmalig diese Lücke in der Rezeptionsgeschichte.
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4 Logischer Farbraum

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4.1 Das Problem des durchsichtigen Weiß

„Runge (in dem Brief, den Goethe in der Farbenlehre abdruckt) sagt, es gebe durchsichtige und undurchsichtige Farben. Weiß sei eine undurchsichtige Farbe. Dies zeigt die Unbestimmtheit im Begriff der Farbe, oder auch der Farbengleichheit.“ (BF I, 17; MS 176, 5v-6r)

Mit diesen Worten wird in Band I der „Bemerkungen über die Farben“ das Problem des durchsichtigen Weiß eingeführt. Im ersten Moment wird man sich als Leserin oder Leser etwas über die Aussage „Dies zeigt die Unbestimmtheit im Begriff der Farbe, oder auch der Farbengleichheit“ wundern, denn ohne Weiteres ist nicht ersichtlich, was die Behauptung, Weiß sei eine undurchsichtige Farbe, mit der Bestimmtheit des Begriffs der Farbe oder der Farbgleichheit zu tun hat. Ich möchte diese Ungereimtheit vorerst ausblenden und anstatt dessen auf zwei andere Textstellen zu sprechen kommen, die helfen werden, das Problem zu entwickeln und zu verdeutlichen, welche Signifikanz der Behauptung „Weiß ist eine undurchsichtige Farbe“ zukommt. Im Anschluss daran wird sich die Gelegenheit bieten, den Zusammenhang dieser Behauptung mit den Begriffen „Farbe“ und „Farbgleichheit“ zu bewerten.

Relativ bald nach dem Verweis auf Runge in § 17 stellt Wittgenstein in § 19 die Frage: „Wie kommt es, daß etwas Durchsichtiges grün, aber nicht weiß sein kann?“; und ergänzt in § 31: „Warum kann man sich durchsichtig-weißes Glas nicht vorstellen,—auch wenn es in Wirklichkeit keins gibt?“. Nun gilt, dass die Frage, warum sich etwas so und so verhält, nur Sinn macht, wenn...

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