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Die Relation zwischen syntaktischem und lexikalisch-semantischem Wissen beim Satzverstehen in der Fremdsprache

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Jolanta Sekowska

Das Ziel dieser Arbeit ist die Verifizierung der Hypothese über die Modularität des Satzverstehenssystems, im Rahmen dessen das Satzanalysesystem (Parser) als ein Modul zu gelten hat, das ausschließlich die syntaktische Struktur erarbeitet. Untersucht wird die Durchlässigkeit des Parsers für lexikalisch-semantisches Wissen, das neben dem syntaktischen Wissen in die Satzverstehensprozesse involviert ist. Das Aufzeigen, dass initiale Entscheidungen zur Satzanalyse ausschließlich auf der Grundlage syntaktischer Merkmale, unbeeinflusst durch lexikalisch-semantisches Wissen getroffen werden, würde dann als eine positive Verifizierung der Modularitätshypothese und zugleich als Evidenz für die Domänenspezifität und informationelle Verkapselung des Satzanalysesystems gelten. Der Einfluss von lexikalisch-semantischen Faktoren auf die initiale Satzanalyse (Parsing) soll dagegen als eine Falsifizierung der Hypothese über Modularität der Satzverstehensprozesse gewertet werden.
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3. Modularität sprachlichen Wissens in der Generativen Grammatik

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Die Frage nach der Modularität des Satzverstehenssystems, die hier als Domänenspezifität und informationelle Verkapselung des Satzanalysesystems verstanden wird, ist untrennbar mit dem Problem der Relation zwischen Sprachverstehensprozessen und sprachlicher Wissensbasis verbunden, d. h. mit der Frage, ob der distinkte Zugriff auf einzelne Subsysteme sprachlichen Wissens beim Satzverstehen durch Domänenspezifität dieser Subsysteme motiviert ist. Im Folgenden müssen notwendige Anmerkungen bezüglich dessen gemacht werden, was das sprachliche Wissen ist und welche Annahmen die linguistische Theorie über seine Struktur macht.

Den Ausgangspunkt der Erörterung bildet die Generative Grammatik (Chomsky, 1955, 1957, 1965, 1975, 1981a, 1986b, 1988, 1995b, 2000b, 2002), deren Postulat einer modularen Architektur der sprachlichen Wissensbasis einen Rahmen für die Zuordnung der Subkomponenten der Sprachverarbeitung zu einzelnen Subsystemen sprachlichen Wissens (Phonologie, Syntax, etc.) und zu relevanten mentalen Repräsentationen bietet (Nominalphrase, leere Kategorie, thematische Rolle, usw.)33. Das Modularitätskonzept entwickelte sich jedoch allmählich, von den Anfängen der Generativen Grammatik, wo Chomsky über sprachliche Repräsentationsebenen und Eigenständigkeit der Grammatik gesprochen hat (Chomsky, 1955, 1957; vgl. Kap. 3.1), bis hin zur Prinzipien-und-Parameter-Theorie (Chomsky, 1981a; vgl. Kap. 3.3), wo die Modularitätsthese am ausdrücklichsten formuliert wurde. In darauffolgenden Subkapiteln wird die Entwicklung des Modularitätskonzepts in der Generativen Grammatik dargestellt.

Die These von der Modularität sprachlichen Wissens ist mit der Grundannahme Chomskys verbunden, dass ein Sprachbenutzer ein Wissenssystem entwickelt, das im Geist/Gehirn des Sprachbenutzers repräsentiert ist (Chomsky, 1965, 1975, 1986 b, 1988). Das Wesentliche...

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