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Die Relation zwischen syntaktischem und lexikalisch-semantischem Wissen beim Satzverstehen in der Fremdsprache

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Jolanta Sekowska

Das Ziel dieser Arbeit ist die Verifizierung der Hypothese über die Modularität des Satzverstehenssystems, im Rahmen dessen das Satzanalysesystem (Parser) als ein Modul zu gelten hat, das ausschließlich die syntaktische Struktur erarbeitet. Untersucht wird die Durchlässigkeit des Parsers für lexikalisch-semantisches Wissen, das neben dem syntaktischen Wissen in die Satzverstehensprozesse involviert ist. Das Aufzeigen, dass initiale Entscheidungen zur Satzanalyse ausschließlich auf der Grundlage syntaktischer Merkmale, unbeeinflusst durch lexikalisch-semantisches Wissen getroffen werden, würde dann als eine positive Verifizierung der Modularitätshypothese und zugleich als Evidenz für die Domänenspezifität und informationelle Verkapselung des Satzanalysesystems gelten. Der Einfluss von lexikalisch-semantischen Faktoren auf die initiale Satzanalyse (Parsing) soll dagegen als eine Falsifizierung der Hypothese über Modularität der Satzverstehensprozesse gewertet werden.
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4. Komputationelle Modularität und psycholinguistische Modelle des Satzverstehens

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In der Generativen Grammatik wird angenommen, dass ein spezialisiertes grammatisches System den Kern der Sprachfähigkeit bildet. Weil das sprachliche System Schnittstellen zu anderen kognitiven Systemen auf der Ebene des Inputs und des Outputs besitzt, sind seine Repräsentationen von denen anderer kognitiver Systeme distinkt (Chomsky, 1981a). Im Rahmen der Sprachverarbeitungsforschung wird argumentiert, dass es gerecht ist, die Phänomene, die den Kern der Sprache bilden und die Prinzipien, die sie erklären, folglich als eine Grundlage für erfolgreiche Modelle der Sprachverarbeitung anzunehmen (z. B. Frazier, 1987c, 1988, 1990, 1999).

Chomsky selbst hat mehrmals die Relevanz der Grammatik als eines grundlegenden Elements der sprachlichen Performanz betont (z. B. Chomsky, 1972a: 23, 151, 166). Zwar soll seiner Meinung nach die Frage, wie die syntaktische Komponente organisiert ist, nicht mit dem Problem verwechselt werden, ein Modell der Sprachproduktion oder -perzeption zu entwickeln, aber die Organisation des sprachlichen Wissens kann als eine Grundlage für die Theorie der Sprachverarbeitung gelten. Wie Chomsky (1972a: 60) bemerkt: „Human language is “syntactic” in that an utterance is a performance with an internal organization, with structure and coherence”, deswegen ist es zu vermuten, dass die interne Organisation des sprachlichen Wissens in seinem Gebrauch zum Vorschein kommt. Die Frage “How is this knowledge put to use?” wiederholt sich in mehreren Arbeiten Chomskys (z. B. Chomsky 1972a, 1986b, 1988, 1995b).74

Die ersten Untersuchungen zur Satzverarbeitung basierten auf einer direkten Anwendung der syntaktischen Regeln (Miller, 1962; Mehler, 1963; Savin & Prechonock, 1965). Den Ausgangspunkt...

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