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Die Relation zwischen syntaktischem und lexikalisch-semantischem Wissen beim Satzverstehen in der Fremdsprache

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Jolanta Sekowska

Das Ziel dieser Arbeit ist die Verifizierung der Hypothese über die Modularität des Satzverstehenssystems, im Rahmen dessen das Satzanalysesystem (Parser) als ein Modul zu gelten hat, das ausschließlich die syntaktische Struktur erarbeitet. Untersucht wird die Durchlässigkeit des Parsers für lexikalisch-semantisches Wissen, das neben dem syntaktischen Wissen in die Satzverstehensprozesse involviert ist. Das Aufzeigen, dass initiale Entscheidungen zur Satzanalyse ausschließlich auf der Grundlage syntaktischer Merkmale, unbeeinflusst durch lexikalisch-semantisches Wissen getroffen werden, würde dann als eine positive Verifizierung der Modularitätshypothese und zugleich als Evidenz für die Domänenspezifität und informationelle Verkapselung des Satzanalysesystems gelten. Der Einfluss von lexikalisch-semantischen Faktoren auf die initiale Satzanalyse (Parsing) soll dagegen als eine Falsifizierung der Hypothese über Modularität der Satzverstehensprozesse gewertet werden.
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6. Neuronale Repräsentation und zeitliche Struktur der Satzverarbeitung in der Zweitsprache

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Wie zwei Sprachen im menschlichen Gehirn repräsentiert und verarbeitet sind, bleibt eine offene Frage. Die Ergebnisse von bildgebenden und neurophysiologischen Studien zur neuronalen Repräsentation der Zweitsprache und ihrer Verarbeitung ergeben ein inkonsistentes Bild. Die Fachliteratur zu dieser Frage liefert Evidenz sowohl für distinkte zerebrale Repräsentation der Erst- und Zweitsprache als auch für ihre Überlappung.101

Die Forschungsergebnisse zum Satzverstehen in L2 sind mehr heterogen als die zur Worterkennung. Insbesondere berichten die Studien zur Worterkennung über größere Ähnlichkeiten zwischen der Erst- und Zweitsprache (z. B. Klein, 1994, 1995; Chee, Tan, & Thiel, 1999), als diejenigen zum Satzverstehen (Mazoyer et al., 1993; Perani, et al., 1996, 1998; Dehaene et al., 1997; Kim et al., 1997). Die Diskrepanzen zwischen der L1- und L2-Satzverarbeitung können ihren Grund in verschiedenen Faktoren haben, die zwischen den Studien variierten und sich auf die Daten auswirken konnten. Zu beachten sind insbesondere Differenzen in den sprachlichen Wissensdomänen, die untersucht wurden (Syntax vs. Semantik), im Präsentationsmodus (visueller vs. auditiver), sowie Differenzen im Erwerbsalter und Sprachleistungsniveau der Probanden.

Im Hinblick auf den ersten Faktor legen die Ergebnisse der neurolinguistischen Studien zum monolingualen Sprachverstehen nahe, dass die Verarbeitung des modular organisierten sprachlichen Wissens durch unterschiedliche Teile eines größeren kortikalen Netzwerkes unterstützt wird. Für die Interpretation der Ergebnisse zur L2-Satzverarbeitung hat der Befund die wichtige Implikation, dass zwischen der Repräsentation und Verarbeitung der distinkten sprachlichen Wissenstypen, insbesondere des syntaktischen und lexikalisch-semantischen Wissens, Differenzen vorliegen können, d....

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