Show Less
Restricted access

Die Relation zwischen syntaktischem und lexikalisch-semantischem Wissen beim Satzverstehen in der Fremdsprache

Series:

Jolanta Sekowska

Das Ziel dieser Arbeit ist die Verifizierung der Hypothese über die Modularität des Satzverstehenssystems, im Rahmen dessen das Satzanalysesystem (Parser) als ein Modul zu gelten hat, das ausschließlich die syntaktische Struktur erarbeitet. Untersucht wird die Durchlässigkeit des Parsers für lexikalisch-semantisches Wissen, das neben dem syntaktischen Wissen in die Satzverstehensprozesse involviert ist. Das Aufzeigen, dass initiale Entscheidungen zur Satzanalyse ausschließlich auf der Grundlage syntaktischer Merkmale, unbeeinflusst durch lexikalisch-semantisches Wissen getroffen werden, würde dann als eine positive Verifizierung der Modularitätshypothese und zugleich als Evidenz für die Domänenspezifität und informationelle Verkapselung des Satzanalysesystems gelten. Der Einfluss von lexikalisch-semantischen Faktoren auf die initiale Satzanalyse (Parsing) soll dagegen als eine Falsifizierung der Hypothese über Modularität der Satzverstehensprozesse gewertet werden.
Show Summary Details
Restricted access

8. Auswertung der Befunde

Extract

Die phrasenstrukturellen Verletzungen wurden relevant früher detektiert als die lexikalisch-semantischen an derselben strukturellen Position. Dies weist darauf hin, dass das syntaktische Wissen über Wortkategorie dem Parser vor dem lexikalisch-semantischen zugänglich ist und liefert zudem Evidenz für die Priorität des syntaktischen Wissens über das lexikalisch-semantische beim Satzverstehen und zugleich für die Domänenspezifität des Satzanalysesystems.

Auch die Verletzungen des Argumenttyps wurden früher aufgedeckt als Verletzungen der Argumentzahl und Selektionsbeschränkungen. Die Ursache dafür kann darin gesehen werden, dass das Wissen über den Argumenttyp als positives Symptom der Diagnose gilt, indem es erlaubt, direkt strukturelle Position zu lokalisieren, an der die Inkompatibilität auftritt. Das Wissen über den Argumenttyp spezifiziert die potentielle Anbindungsposition für den ankommenden Input und verweist auf die Stelle, wo die Umstrukturierungsprozesse in Gang gesetzt werden können, um eine neue Satzstruktur aufzubauen, die mit der neuen lexikalischen Information kompatibel wäre. Die Einleitung der Reanalyse erfordert allerdings, dass die Inkompatibilitätsstelle und –ursache diagnostiziert werden. Das Wissen über Selektionsbeschränkungen oder Argumentzahl, die das Verb erfordert, weist solche potentielle Anbindungspositionen nicht an, da es dem Parser keinen direkten Zugang zur morphosyntaktischen Spezifizierung der zuvor erstellten Satzstruktur ermöglicht.

Die Detektierung der Inkompatibilität setzt voraus, dass der Parser die Inkompatibilitätsursache lokalisiert. Dies erklärt, warum die Deutschlerner bei der Verletzung der Selektionsbeschränkungen oder der Argumentzahl mit der Abgabe des Grammatikalitätsurteils länger als bei Verletzung des Argumenttyps zögerten. Im letzten Fall...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.