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Das Gen und seine Geschichte

Naturwissenschaftliche und philosophische Hintergründe der modernen Genetik- Lebewesen im Spiegel der Wissenschaftshistorie

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Kurt Otto Plischke

Gene steuern Pflanze, Tier und Mensch. Das Gen ist das Atom der Biologie. Wie kam es zu diesem Modell, das 1953 mit dem Nobelpreis gekrönt wurde? Welche Einwände gibt es gegen das Modell? Dieses Buch verfolgt erstmalig in den Originaltexten der beteiligten Forscher die Ursprünge der Vorstellung aus der Entstehung der Biologie im Jahr 1800 über die Gründung der Genetik 1906 bis in die Gegenwart. Die Auffassung von der Lebendigkeit des Lebenden wandelte sich entsprechend dem Selbstverständnis der Wissenschaft. Eine physiologische Biologie ersetzte die Naturphilosophie. Leben, Organismen und Gene werden definiert in den Gesetzen von Chemie und Physik. Das Gen und seine Geschichte beleuchtet die Folgen für unser Bild von Mensch und Natur.
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III. Beschreibungen der Fortpflanzung, die das spätere biologische Verständnis der Vererbung prägten

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III. Beschreibungen der Fortpflanzung, die das spätere biologische Verständnis der Vererbung prägten

Lange bevor Vererbung als ein biologisches Problem aufgefasst wurde, hatte man Detailkenntnisse von Befruchtung und Fortpflanzung entwickelt. Der holländische Arzt Reignier de Graaf (1641–1673) stellte 1672 in „De mulierum organis generationis inservientibus“ eine Ähnlichkeit zwischen Vogeleiern und Eierstockfollikeln von Kaninchen fest und hielt den Follikel für das Ei des Säugetiers (Graaf 1672). Erst Karl Ernst von Baer (1792–1876), Professor der Zoologie in Königsberg, konnte 150 Jahre später an Hunden zeigen, daß Follikel und Ei nicht identisch sind, sondern dass Säugetiereier eigene Gebilde innerhalb der Follikel darstellen (Baer 1828: „Über die Entwicklungsgeschichte der Thiere“). Noch Baer nahm in den organischen Gebilden eine zielstrebige Wirkung nach Zwecken an. Er widersprach Johann Friedrich Meckel (1781–1833) aus Halle, der in einer Vorform des biogenetischen Grundgesetzes behauptete, dass durch pathologische Unterbrechungen in der frühen Embryonalentwicklung des Menschen Lebewesen mit Organen niedrigerer Tiere entstünden.

1673, ein Jahr nach de Graaf, zeichnete der spätere Leibarzt von Papst Innocens XII, Marcello Malpighi (1628–1694), das Bild der ersten Entwicklungsschritte des Eies („De ovo incubato observationes", London 1675, und „Dissertatio epistolica de formatione pulli in ovo“, London 1673). Nach ersten Hinweisen auf Spermatozoen des Menschen berichtete 1677 Antonij van Leeuwenhoek (1632–1723) in Briefen an die Royal Society von Samentierchen, die er bei zahlreichen Tieren beobachtet hatte. Er gilt zugleich als Entdecker der roten Blutkörperchen. Neben Robert...

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