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Das Gen und seine Geschichte

Naturwissenschaftliche und philosophische Hintergründe der modernen Genetik- Lebewesen im Spiegel der Wissenschaftshistorie

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Kurt Otto Plischke

Gene steuern Pflanze, Tier und Mensch. Das Gen ist das Atom der Biologie. Wie kam es zu diesem Modell, das 1953 mit dem Nobelpreis gekrönt wurde? Welche Einwände gibt es gegen das Modell? Dieses Buch verfolgt erstmalig in den Originaltexten der beteiligten Forscher die Ursprünge der Vorstellung aus der Entstehung der Biologie im Jahr 1800 über die Gründung der Genetik 1906 bis in die Gegenwart. Die Auffassung von der Lebendigkeit des Lebenden wandelte sich entsprechend dem Selbstverständnis der Wissenschaft. Eine physiologische Biologie ersetzte die Naturphilosophie. Leben, Organismen und Gene werden definiert in den Gesetzen von Chemie und Physik. Das Gen und seine Geschichte beleuchtet die Folgen für unser Bild von Mensch und Natur.
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VI. Die Entstehung eines entteleologisierten Vererbungsbegriffs

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VI. Die Entstehung eines entteleologisierten Vererbungsbegriffs

Auf den Seiten 40 bis 43 seines epochemachenden Werkes zieht Mendel die Schlussfolgerung aus seinen Untersuchungen der Hybridisierbarkeit von Pflanzen. Mendel – wie Darwin ein in Biologie und Medizin kenntnisreicher Gelehrter ohne die Ordination an einer Universität – entwickelte Grundgedanken, die erst später von einer eigenständigen Vererbungswissenschaft entfaltet wurden. In diesem Abschnitt gebraucht Mendel wiederholt den Ausdruck Element. Aus heutiger Sicht ist man geneigt, hierfür den Terminus Gen zu setzen.

Mendel erläutert, die Entwicklung der zu einer einzigen Zelle verschmolzenen Keim- und Pollenzelle aufgrund von Stoffaufnahme und Bildung neuer Zellen erfolge

„nach einem constanten Gesetze, welches in der materiellen Beschaffenheit und Anordnung der Elemente begründet ist, die in der Zelle zur lebensfähigen Vereinigung gelangten“. Seine Versuche hätten erwiesen, „dass die Hybriden verschiedenartige Keim- und Pollenzellen bilden, und dass hierin der Grund für die Veränderlichkeit ihrer Nachkommen liegt“.

„Elemente“ also seien es, die eine Bildung konkreter Eigenschaften und die Gesetzmäßigkeiten der Vererbung bestimmen. Die Art und Weise dieser Determination sieht Mendel begründet 1. in den Materieeigenschaften dieser biologischen Elemente (ihrer „materiellen Beschaffenheit“) und 2. in ihrer „Anordnung“. In diesen Satz wird die ganze Novität von Mendels Vererbungsauffassung zusammengefasst. Alle Bestimmungsstücke der Vererbung liegen vor in einem regionalen Mikrobereich, der somit die biologischen Forschungen auf diesen sich konzentrieren läßt.

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