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Das Gen und seine Geschichte

Naturwissenschaftliche und philosophische Hintergründe der modernen Genetik- Lebewesen im Spiegel der Wissenschaftshistorie

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Kurt Otto Plischke

Gene steuern Pflanze, Tier und Mensch. Das Gen ist das Atom der Biologie. Wie kam es zu diesem Modell, das 1953 mit dem Nobelpreis gekrönt wurde? Welche Einwände gibt es gegen das Modell? Dieses Buch verfolgt erstmalig in den Originaltexten der beteiligten Forscher die Ursprünge der Vorstellung aus der Entstehung der Biologie im Jahr 1800 über die Gründung der Genetik 1906 bis in die Gegenwart. Die Auffassung von der Lebendigkeit des Lebenden wandelte sich entsprechend dem Selbstverständnis der Wissenschaft. Eine physiologische Biologie ersetzte die Naturphilosophie. Leben, Organismen und Gene werden definiert in den Gesetzen von Chemie und Physik. Das Gen und seine Geschichte beleuchtet die Folgen für unser Bild von Mensch und Natur.
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VII. Das Schicksal der Entdeckungen Mendels

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VII.  Das Schicksal der Entdeckungen Mendels

Abgesehen von einem Briefwechsel mit Nägeli (vgl. Correns 1905: 189–265) und drei bibliographischen Erwähnungen (Hoffmann 1869; Focke 1881; Bailey 1891) hat Mendels Arbeit von 1866 den wissenschaftlichen Diskurs fünfunddreißig Jahre lang nicht beeinflusst. Die Gründe sind vielfältig und sollen hier nicht im einzelnen nachvollzogen werden. Eine Übersicht gibt Jahn (Jahn 1957/1958: 215ff).

Von Mendel selbst ist als einzige Bemerkung zum Schicksal seiner Schrift überliefert: „Meine Zeit wird kommen“ (vgl. Gasking 1959: 77).

Zur Zeit ihrer Veröffentlichung trafen die entscheidenden Gedanken Mendels, die Unabhängigkeit der Merkmale voneinander und ihre Spaltbarkeit infolge ihrer zufälligen Zusammensetzung aus vermuteten Teilfaktoren in den Keimzellen, auf ein noch sehr unvollständiges zytologisches Bild von der Vererbung. Es bot noch nicht die Einzelheiten, um die von ihm rein rechnerisch erschlossenen Merkmalselemente materiell nachvollziehen und begründen zu können. Bis 1900 wurde es durch eine Reihe von Entdeckungen erweitert. Man beobachtete Verschmelzung von Samen- und Eikern, erkannte Zellteilung und Reduktionsteilung, ein nach Mendel zu postulierendes Phänomen. So war zu verstehen, dass jeder Befruchtung mit Kernverschmelzung eine Reduktionsteilung vorausgehen muss, damit die Menge an Erbmaterial, erfassbar an der Chromosomenzahl, konstant bleiben kann. Die sich ergebende Darstellung der Haploidie der Gameten gegenüber diploider Zygote erklärte Mendels Umschreibung desselben Tatbestandes als einer Aufteilung und Zusammenfügung von angenommenen Merkmalsfaktoren, wie auch die Kernverschmelzung jetzt den Grund für die Idee der Zusammensetzung jedes Merkmals aus...

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