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Das Gen und seine Geschichte

Naturwissenschaftliche und philosophische Hintergründe der modernen Genetik- Lebewesen im Spiegel der Wissenschaftshistorie

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Kurt Otto Plischke

Gene steuern Pflanze, Tier und Mensch. Das Gen ist das Atom der Biologie. Wie kam es zu diesem Modell, das 1953 mit dem Nobelpreis gekrönt wurde? Welche Einwände gibt es gegen das Modell? Dieses Buch verfolgt erstmalig in den Originaltexten der beteiligten Forscher die Ursprünge der Vorstellung aus der Entstehung der Biologie im Jahr 1800 über die Gründung der Genetik 1906 bis in die Gegenwart. Die Auffassung von der Lebendigkeit des Lebenden wandelte sich entsprechend dem Selbstverständnis der Wissenschaft. Eine physiologische Biologie ersetzte die Naturphilosophie. Leben, Organismen und Gene werden definiert in den Gesetzen von Chemie und Physik. Das Gen und seine Geschichte beleuchtet die Folgen für unser Bild von Mensch und Natur.
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Vorwort

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Der Begriff „Gen“ ist einer jener wissenschaftlicher Begriffe, der – wie etwa der Begriff „Stress“ – von der Diskussion in exklusiven wissenschaftlichen Kreisen in die Alltagssprache vorgedrungen ist. Ausgangs des 19. Jahrhunderts wurde nur unter wenigen Eingeweihten diskutiert, dass es irgendein biologisches Substrat geben müsse, das die Gleichheit von Spezies darstellen und an die nächste Generation weitergeben müsse. Heutzutage hat man es „in den Genen“, wenn vermeintlich oder offensichtlich eine erbliche Anlage vorliegt. Das Human Genome Project an der Wende zum 21. Jahrhundert war mehr als ein reines wissenschaftliches Großunternehmen. Anscheinend stand die Geschichte der Menschheit auf dem Spiel: der Mensch, so schien es zumindest im Vorhinein, sei zukünftig in gewisser Weise durchschaubar – und dann vielleicht auch manipulierbar.

Dass die Dinge anschliessend nur komplizierter geworden sind, ist beruhigend. Wider Erwarten haben die Menschen nur eine geringe Zahl an Genen – mit ca. 25.000 durchaus weniger als etwa eine Maus. Dies lässt nur den Schluss zu, dass – bis auf die wenigen Ausnahmen dominanter Erbgänge wie etwa beim Morbus Huntington – die Gene eine Art biologischer Möglichkeiten darstellen, die je nach Umständen angeschaltet werden – oder eben nicht. Und: wer steuert diese angeblichen Steuerbotschaften? Auch hier lassen, freilich unbeabsichtigte, historische Großversuche – wie etwa die Vererbung der Folgen von Hungerzuständen in der jeweils über(!)-nächsten Generation nach dem berüchtigten Hungerwinter 1944/45 in den Niederlanden – die Frage nach der Epigenetik unabweislich werden, nach dem also, was zum Gen hinzukommen muss, um es...

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