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Persuasion im deutschen und italienischen Fußballspielbericht

Argumentation und Emotion

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Anja Unkels

Wer urteilt, der muss die Dinge hervorheben, auf denen das Urteil beruht, so Aristoteles. Dass der Fußballspielbericht demnach zum argumentativen Diskurs zählt, veranschaulicht die Arbeit anhand zahlreicher Beispiele deutscher und italienischer Online-Fußballspielberichte. Sie stellt ein graphisches Argumentationsmodell bereit, dessen Anwendbarkeit durch umfangreiche Beispielmodelle belegt wird. Dabei wird deutlich, dass die Texte wiederkehrende Strukturen aufweisen, die den jeweiligen Textaufbau steuern. Zudem generiert die Analyse eine persuasiv funktionale Unterscheidung von sprachlich thematisierter Emotion und Emotionsausdruck. In der Gesamtschau der persuasiven Mittel zeigt sich u.a., dass die Berichterstatter eine emotional positive Beeinflussung der Leser anstreben.
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4. Argumentative Hauptsequenzen der Fußballspielberichte

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Bezüglich des untersuchten Textkorpus wird die Annahme vertreten, dass dieses die Kriterien für ein argumentatives Profil der Affirma­tion erfüllt. Die Spielberichte sind nämlich rezipientenorientiert, da sie bewerten und diese Bewertungen stützen und so für den Rezipienten nachvollziehbar machen. Es wird keine Problemstellung eruiert, und es werden keine Pro- und Kontra-Argumente abgewogen, sondern es wird ethisch-ästhetisch geurteilt. Das Profil der Refle­xion kann deshalb ausgeschlossen werden, weil keine objektiven und logisch-rationalen Beweisführungen vorgebracht werden, und dies auch aufgrund der in Kapitel 2.2 beschrie­benen Kommunikationsbedingungen nicht erwartet wird. Es ist daher anzunehmen, dass der Rezipient, konkret der Leser der Online-Berichterstattung, Subjektivität und ein­deutige Stellungnahmen wünscht, um seine persönliche Einstellung mit einer anderen abzugleichen und gegebenenfalls Bestätigung seiner eigenen Bewertung der Emotionen zu finden74, und dass der Emittent versucht, diese Ewartung zu erfüllen. Ein Profil der Opposition kann nicht vorliegen, weil in einem Fußballspiel­bericht – abgesehen von vereinzelten Zitaten – keine zwei Meinungen einander gegenübergestellt werden.

Wie in Kapitel 3.5 ausgeführt wurde, ist die AHS eine den gesamten Text strukturell bestimmende argumentative Relation von Propositionen, welche die globale Textaussage repräsentiert und durch Tilgung irrelevanter Information, Zusammenfassung der relevanten Bewertungen und, wenn nötig, Konstruktion dieser Relation ermittelt wird. Um die Ermittlung der AHS zu veranschaulichen, bietet sich ein Blick in das untersuchte Korpusmaterial an. Ein Textbeispiel mit AHS [A PT B DC C] liefert der folgende Bericht, der hier lediglich...

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