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Schreiben über Afrika: Koloniale Konstruktionen

Eine kritische Untersuchung ausgewählter zeitgenössischer Afrikaliteratur

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Roland Schmiedel

Seit den 1990er Jahren ist das Interesse am deutschsprachigen Afrika-Roman stetig gewachsen. Die germanistische literaturwissenschaftliche Forschung setzt sich daher zunehmend intensiv mit diesem Subgenre auseinander und reflektiert dabei den postkolonialen Diskurs. Die Studie zeigt – ohne sich dabei auf einen geographischen Raum zu beschränken – mittels einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Roman Herz der Finsternis von Joseph Conrad, wie die Autoren Lukas Bärfuss, Hans Christoph Buch, Andrea Paluch, Robert Habeck und Ilija Trojanow in ihren Romanen postkoloniale Potentiale und Perspektiven ausprägen und dabei eigene kulturelle Denkmuster, Stereotype und Dichotomien reproduzieren, vorführen oder modifizieren.
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1. Afrika schreiben

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Über Afrika zu schreiben erfordert stets einen Kontakt und eine Auseinandersetzung der Autoren mit Afrika- bzw. kolonialen Stereotypen. Unter dem Titel How to write about Africa25 verbindet der kenianische Schriftsteller und Essayist Binyavang Wainaina auf ironische Weise viele dieser Afrika-Stereotypen mit dem Interesse europäischer Schriftsteller an der Produktion von Afrika-Literatur.26 Er empfiehlt als Kompositionsvorschlag erfolgversprechender Afrika-Literatur eine Ansammlung kolonialer und allgemeiner Afrika-Stereotypen und verdeutlicht damit den vor allem ausschließlich europäischen Blick dieser Literatur auf Afrika sowie die lediglich von außen wahrgenommenen und zumeist unreflektiert dargestellten afrikanischen Verhältnisse.

Die Wechselbeziehungen zwischen Afrika und Europa waren in der Vergangenheit nicht immer gleich motiviert und zweifelsfrei ist der europäische Blick auf den Kontinent heute ein anderer als während der Eroberungs- und Entdeckungsfahrten im ausgehenden 18. Jahrhundert. Die Epoche des Imperialismus, in der eine massive kulturelle und gesellschaftliche Beeinflussung der afrikanischen Primärgesellschaften stattfand, prägte den europäischen Blick ebenso, wie die langjährigen Prozesse der Dekolonialisierung in den 1960er Jahren und die Globalisierungsbestrebungen27 seit den 1980er Jahren, mit dem Ergebnis, dass heute der europäische Blick auf Afrika facettenreicher ist als jemals zuvor.

Im 21. Jahrhundert werden Afrika und Afrikaner einerseits im Rahmen des globalen Migrationsaufkommens im Sinn von stetiger Wirtschaftsmigration durchaus als Bedrohung erlebt28, und andererseits sind viele Länder Afrikas aufgrund ← 21 | 22 →des ungeheuren Reichtums an Bodenschätzen29 für rohstofforientierte Industriestaaten zu einem wichtigen Handelspartner geworden. Der Schulterschluss regierender Eliten rohstoffreicher Länder in Afrika mit Politikern...

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