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Schreiben über Afrika: Koloniale Konstruktionen

Eine kritische Untersuchung ausgewählter zeitgenössischer Afrikaliteratur

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Roland Schmiedel

Seit den 1990er Jahren ist das Interesse am deutschsprachigen Afrika-Roman stetig gewachsen. Die germanistische literaturwissenschaftliche Forschung setzt sich daher zunehmend intensiv mit diesem Subgenre auseinander und reflektiert dabei den postkolonialen Diskurs. Die Studie zeigt – ohne sich dabei auf einen geographischen Raum zu beschränken – mittels einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Roman Herz der Finsternis von Joseph Conrad, wie die Autoren Lukas Bärfuss, Hans Christoph Buch, Andrea Paluch, Robert Habeck und Ilija Trojanow in ihren Romanen postkoloniale Potentiale und Perspektiven ausprägen und dabei eigene kulturelle Denkmuster, Stereotype und Dichotomien reproduzieren, vorführen oder modifizieren.
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4. Lukas Bärfuss Hundert Tage

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In Hundert Tage werden die Erlebnisse des jungen schweizer Entwicklungshelfers David Hohl vor und während des Bürgerkrieges in Ruanda erzählt. Voller Ideale reist der Entwicklungshelfer 1990 nach Ruanda, wo sich die Schweizer Entwicklungshilfe in verschiedenen Entwicklungshilfeprojekten engagiert. Am Flughafen in Brüssel wird David Zeuge, wie eine junge Afrikanerin von belgischen Zöllnern schikaniert wird, zwar erfolglos, doch vehement setzt sich David für die Rechte der Frau ein. In Ruanda erkennt David schnell, wie mit den im Land tätigen Entwicklungshilfeprojekten in erster Linie ein diktatorisches Regime unterstützt wird und die Hilfsprojekte nicht der Bevölkerung zugutekommen. Während eines Besuchs des Papstes im Stadion von Kigali wird David in der jubelnden Menge verletzt und muss im Krankenhaus behandelt werden. Dort trifft er Agathe wieder, die junge Afrikanerin, der er zu Beginn seiner Reise am Flughafen in Brüssel begegnet war. Es beginnt eine intensive sexuell dominierte Affäre.

Agathe ist eine Hutu und engagiert sich in der radikalen Hutu-Partei auf der Seite der Agitatoren. David ist hin und her gerissen zwischen der Begierde zu Agathe und der Flucht aus Ruanda, doch als sich der Völkermord in Kigali ankündigt, entschließt er sich, nicht wie alle anderen Ausländer das Land zu verlassen. Er versteckt sich die folgenden hundert Tage in seinem Haus, verborgen vor dem mordenden Mob, beschützt und versorgt von seinem Gärtner. Erst spät begreift er, dass auch der Gärtner ein Mörder ist. Als...

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